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Der Buchenwald – komplizierter und vielschichtiger Lebensraum

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In einem Buchenwald leben etwa 7.000 Tierarten, von denen mehr als 5.000 zu den Insekten und nur rund 100 zu den Wirbeltieren zählen. Der Rest gehört zu einzelligen Organismen, Würmern, Schnecken oder Spinnentieren. Artenzahl und Verteilungsmuster der Tiere im Ökosystem Buchenwald sind abhängig von der Mosaikvielfalt, das heißt der Horizontal- und Vertikalstruktur der Waldbestände und ihrem Altersaufbau. Begrenzende Faktoren sind der jahreszeitliche Wechsel und die zur Verfügung stehenden Nahrungsmengen.

Die optimale Ausnutzung des dreidimensionalen “Gebäudes” Wald führt zu einer charakteristischen Verteilung der Arten und ist am Beispiel der Vögel im Buchenwald näher erläutert.

Exemplarische Tierarten des „Gebäudes“ Wald

Ökologische Nische Vogelart
Fliegenschnappende Arten Gartenrotschwanz
Grauschnäpper
Trauerfliegenschnäpper
Insektenfressende Arten auf Blättern in der Baumkrone Waldlaubsänger
Zilpzalp
Fitis
Wintergoldhähnchen
in der Strauchschicht Gelbspötter
Gartengrasmücke
Mönchsgrasmücke
Dorngrasmücke
Insektenfressende Arten auf Ästen, Zweigen und Stämmen
Äste und Zweige Blaumeise
Sumpfmeise
Kohlmeise
Stammoberfläche Kleiber
Waldbaumläufer
Gartenbaumläufer
Zaunkönig
Stamm Buntspecht
Arten fressen am Boden Amsel
Singdrossel
Buchfink
Rotkehlchen
Heckenbraunelle
Greifvögel und Eulen Waldkauz
Sperber
Arten fressen überwiegend Samen und Früchte Grünfink
Allesfressende Arten Kernbeisser
Ringeltaube
Hohltaube
Pirol
Eichelhäher
Rabenkrähe

Die Wildkatze – bitte nicht kuscheln!

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Wildkatzen (Felis silvestris) sind die einzigen Katzen, die sich nicht zähmen lassen. Sie sind von Natur aus wild und scheu, selbst in Gefangenschaft geborene Wildkatzen lassen sich, wenn überhaupt, nur sehr ungern anfassen.

Die Wildkatze ist sehr selten geworden, da der Mensch ihren Lebensraum zerstört und sie früher fast bis zur Ausrottung gejagt hat. Aus Angst vor dem letzten wilden Raubtier wurden Vorurteile in populärwissenschaftlichen Zeitungen genährt, unter anderem mit solchen Hetz- Artikeln: „ Wenn der Jäger das Tier nicht tötet, wirft es sich auf ihn mit überschäumender Wut, schlägt ihre eisernen Krallen in seine Brust oder in sein Gesicht, beißt ihn an Hals und Händen, überhäuft ihn mit einem Wirbel von verzweifelten Angriffen unter denen man den Jäger zusammenbrechen sah.“

Nachdem sie fast ausgestorben war, stellten erstmals die Preußen die Wildkatze in Deutschland unter Schutz.

Was hat es nun  mit diesen „gefährlichen“ Katzen auf sich? Wie sieht die biologische Wirklichkeit aus?

Wo leben diese Katzen?

Die europäische Wildkatze nennt man auch Waldkatze. Sie bevorzugt lichte Laubwälder und Dickungen. Dort sucht sie Steinformationen, alte Bauten, hohle Bäume, geschützte Höhlen oder auch verlassene Jagdeinrichtungen auf. Sie ist, was ihre Standorte betrifft, sehr anpassungsfähig, benötigt aber immer eine ergiebige Nahrungsquelle, ausreichend Deckung und einen ungestörten Lebensraum.

Wildkatzen sind klare Einzelgänger, nur in der Paarungszeit treffen Kuder – der Wildkater – und Katze aufeinander. Wildkatzenreviere haben eine Größe von 1000 bis 1500 ha, im Nationalpark dürften also 10 bis 15 Wildkatzen leben.

In Rheinland-Pfalz befindet das größte zusammenhängende Wildkatzenvorkommen in Westeuropa.

Wie erkenne ich eine Wildkatze?

Wildkatzen lassen den Schwanz eher hängen und heben und bewegen nur das letzte Drittel. Hauskatzen tragen eher den ganzen Schwanz unter Spannung. Ihr Haarkleid ist länger als das der meisten Hauskatzen, Das Fellmuster ist eher verwaschen und ohne exakte Zeichnung, auffallend ist aber der schwarze Rückenstreif und zwei bis drei Schwanzbinden vor der schwarzen Endspitze. Ein weiteres es äußerliches Merkmal zur ist der fleischfarbene Nasenspiegel.

Es gibt kein exaktes, offensichtliches Unterscheidungsmerkmal zwischen Haus- und Wildkatze, nur über die Summe der Anzeichen, können Vermutungen über die Zugehörigkeit getroffen werden. Eine genaue Unterscheidung zwischen Hauskatze und Wildkatze ist nur im Labor möglich- anhand von Genetik, Darmlänge und Hirnvolumen.

Die Hauskatze stammt nicht von unserer europäischen Wildkatze ab, diese streifte schon durch die Wälder, bevor die Römer die afrikanische Falbkatze, Urahn unserer heutigen Hauskatze, über die Alpen brachten. Wildkatzen können aber mit Hauskatzen Nachwuchs zeugen. Diese nennt man Blendlinge. Das passiert aber selten, da sich die Lebensräume und Lebensweisen kaum gleichen.

Wie leben Wildkatzen?

Wildkatzen sind Einzelgänger. Lediglich in der Paarungszeit im Februar und März begegnen sich die Tiere, was bei den Kudern oft mit Rivalenkämpfen einhergeht. Dieser beteiligt sich nur gelegentlich an der Aufzucht der Jungen, die im Herbst selbständig sind und von der Mutter verjagt werden.

Wildkatzen fressen überwiegend Mäuse, verschmähen aber auch Vögel, Insekten und Fische nicht. Etwa 10 Mäuse benötigt ein Tier pro Tag. Feines Gehör und gute Augen helfen ihr bei der Jagd in der Dämmerung, der Geruchssinn ist eher schwach ausgeprägt.

Die Wildkatze gehört zu den gefährdetsten Säugetierarten und ist streng geschützt. War früher die direkte Verfolgung durch den Menschen Ursache für Ihren drastischen Rückgang, sind es heut die Veränderungen des Lebensraumes, die verhindern, dass sich die Bestände erholen. Der Straßenverkehr fordert viele Opfer, die zersiedelte Kulturlandschaft lässt wenig Raum für geeignete, ruhige Katzenreviere in ausreichender Größe.

Erholung garantiert

Das Bedürfnis nach Erholung im Wald ist im dichtbesiedelten Deutschland in den letzten Jahrzehnten zunehmend gewachsen.

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Mehr als ein Drittel aller Besucherinnen und Besucher sind mindestens einmal wöchentlich im Wald unterwegs, überwiegend am Wochenende und für ca. 1 bis 2 Stunden. Die Dauer des Aufenthalts hat sich damit in den letzten Jahren verdoppelt.

Damit alle Menschen Spaß in diesem natürlichen ”Freizeit- und Fitnesspark” haben können, ist es notwendig, Rücksichten sowohl auf den Wald als auch auf andere Erholungssuchende zu nehmen.

Heute verbringen, besonders in der Nähe von Städten und Ballungsgebieten, sehr viele Menschen ihre Freizeit im Wald. Sie treiben Sport oder suchen Ruhe und Entspannung in der Natur.

In Rheinland-Pfalz steht jedem Bürger beziehungsweise jeder Bürgerin Wald in etwa der Größe eines halben Fußballfeldes (0,21 Hektar)  zur Verfügung. Der Bundesdurchschnitt liegt deutlich niedriger bei 0,13 Hektar pro Einwohner.

Ein Fußballfeld Regenwald, alle zwei Sekunden!

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Organisierte Kriminalität kennt man im Zusammenhang mit Drogen oder Schutzgelderpressungen. Sie ist aber auch für die illegale Abholzung des Regenwalds verantwortlich.

Alle zwei Sekunden vernichten illegale Holzfäller weltweit die Waldfläche von der Größe eines Fußballfeldes. Darauf macht die Weltbank in einem Report aufmerksam, den sie am Donnerstag in Washington vorstellte.
Der kriminelle Holzeinschlag bringt demnach jährlich einen Gewinn von 10 bis 15 Milliarden Dollar (8 bis 11 Milliarden Euro). Das Geld werde meist von organisierten Kriminellen kontrolliert, gehe an der Steuer vorbei und diene unter anderem dazu, korrupte Regierungsbeamte auf allen Ebenen zu bestechen. In einigen Staaten sind dem Bericht zufolge sogar 90 Prozent des Holzeinschlags illegal.
Auf dem Holzweg aus der Armut

Bislang habe die Justiz in den Ländern vor allem die Kleinkriminellen im Blick, die durch den Holzeinschlag der Armut entgehen möchten. Wichtig sei jedoch, die kriminellen Netzwerke zu zerschlagen und die Unternehmen zu bestrafen, die Bestechungsgelder bezahlten. Mit dem Report „Justice for Forests“ (Gerechtigkeit für Wälder) will die Weltbank unter anderem staatliche Organisationen beim Kampf gegen diese Netzwerke stärken.

„Wir müssen die organisierte Kriminalität beim Holzeinschlag genauso bekämpfen wie wir es bei den Bandenmitgliedern im Drogenhandel oder bei der Schutzgelderpressung tun“, sagt der Weltbank-Manager für das Team zur Integrität im Finanzmarkt, Jean Pesme. Das Team hilft Ländern, gegen illegale Finanzströme vorzugehen.

Waldspaziergänge demnächst auf Rezept?

 

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Eintauchen ins Waldbad

In Japan nennt sich der neueste Therapie-Hit shinrin yoku oder forest bathing, zu Deutsch „Waldbaden“. Neueste Forschungen über die positiven Effekte von einem Spaziergang im Wald haben die Japaner davon überzeugt, dass Wälder Therapiezentren werden sollten. In sog. Outdoor-Kliniken kann man sich nach der üblichen Voruntersuchung zum „Baden“ in den Wald begeben. Damit ist natürlich kein Wasserbad gemeint, sondern das Eintauchen in die Umgebung „Wald“.

Wälder gegen Krebs

Im Jahr 2004 wurden die wohltuenden Auswirkungen des Waldbadens in einem medizinischen Experiment  wissenschaftlich konkretisiert und bewiesen. Gemeinschaftlich hatten die japanische Behörde für Forstwirtschaft, das Forschungsinstitut für Wald und Waldprodukte und das Zentrum für Medizin Nippon eine Studie in die Wege geleitet, mit der die physiologischen Effekte des Waldbadens näher erforscht werden sollten.

Dr. Qing Li, Assistenzprofessor am Institut für Hygiene und Öffentliche Gesundheit im Zentrum für Medizin Nippon, fasste begeistert die Resultate dieser Untersuchung zusammen. Spazierengehen im Wald fördere sowohl die Entstehung von drei verschiedenen Anti-Krebs-Proteinen als auch die Bildung ungewöhnlich hoher Mengen natürlicher Killerzellen (NK-Zellen), die ebenfalls dafür bekannt sind, Krebszellen aufzuspüren und diese zu attackieren.

Dr. Li erklärte, dass Pflanzen bestimmte Stoffe – sog. Phytonzide(1) – bildeten, mit deren Hilfe sie sich selbst vor Bakterien und Insekten schützten. Diese Phytonzide würden an die Luft abgegeben. Wenn nun Menschen in der Natur und insbesondere im Wald spazieren gingen und diese Phytonzide einatmeten, dann führte das zu einer deutlichen Vermehrung der NK-Zellen im Körper.

Dr. Li beobachtete zwölf Männer im Alter von 37 bis 55 Jahren, die unter einer starken Stresssituation litten und zum Spazierengehen in den Wald geschickt wurden. Bereits am ersten Tag hatte sich die Aktivität ihrer NK-Zellen um 26,5 Prozent erhöht, am zweiten Tag schon um sagenhafte 52,6 Prozent.

Wälder senken Blutdruck und Puls

In einer weiteren Studie mit 280 Teilnehmern schickte man die Hälfte für einige Stunden in den Wald und die andere Hälfte in die Stadt. Anschließend wurden beide Gruppen untersucht und was stellte man fest? Die Waldmenschen erfreuten sich im Gegensatz zu den Stadtmenschen eines auffallend niedrigen Blutdruckes, eines niedrigen Stresshormonspiegels und eines niedrigen Pulses.

Der bloße Anblick eines Waldes beruhigt und reduziert Stresshormone

Im Wald begegnet man natürlich nicht nur den Phytonziden, die ja eher unbewusst aufgenommen werden. Sobald man den Wald betritt und in das satte Grün der Bäume und Wiesen eintaucht, duftet es nach Blumen, Kräutern und dem feuchten Waldboden. Das Laub raschelt unter den Füßen, Vögel singen, Bäche plätschern, Flüsse rauschen und die Sonne schickt einzelne Strahlen durch das dichte Blätterwerk. Allein das Licht-und-Schattenspiel der Sonne auf den Blättern habe eine ungemein beruhigende Wirkung, so Yoshifumi Miyazaki, der Direktor des Zentrums für Umwelt, Gesundheit und Agrarwissenschaft von der Universität Chiba.

Als Japans führender Wissenschaftler im Bereich der Waldmedizin fand Miyazaki heraus, dass der Stresshormonpegel bei Menschen, die einen Wald nur anschauten, bereits um 13,4 Prozent niedriger war als zuvor. „Wir wurden so geschaffen, dass wir in eine natürliche Umgebung passen“, fasste Miyazaki seine Erkenntnisse zusammen. „Wenn wir uns inmitten der Natur aufhalten, werden unsere Körper wieder zu dem, was sie einmal waren.“

Medizinische Untersuchung unter Bäumen

Der Natürliche Erholungswald Akazawa (Akazawa Natural Recreation Forest) in Agematsu(2), wo das Konzept des Waldbades bereits im Jahre 1982 entstand, wurde 2006 offiziell als Wald-Therapie-Zentrum anerkannt. Ein Wald-Therapie-Zentrum bietet typischerweise Spazierwege, Gesundheitsprogramme und geführte Wanderungen. Wer möchte, kann sich auch direkt unter den Bäumen kostenfrei untersuchen lassen.

Selbstverständlich brauchen wir nicht extra auf die Einrichtung von speziellen Wald-Therapie-Zentren zu warten, um all die wundervollen Eindrücke und Auswirkungen der Natur zu genießen. Es gibt praktisch keinen plausiblen Grund, jetzt – nach diesem Text – noch länger vor dem Bildschirm zu sitzen. Ich jedenfalls bin schon weg – auf dem Weg ins nächste Waldbad…;-)

Wasserwerk Wald

Wasser ist unser wichtigstes Lebensmittel. Wir brauchen sauberes Wasser wie die Luft zum Atmen. In Deutschland verbraucht jeder Mensch jährlich rund 50 000 Liter Wasser. Etwa 70 Prozent des bundesweit gewonnenen Trinkwassers stammen aus Grund- und Quellenwasser, das in Wirtschaftswäldern, also forstlich genutzten Wäldern, gewonnen wird. Das Ökosystem Wald ist damit der größte Süßwasserspeicher in Deutschland.

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Der Wald reinigt und filtert die Niederschläge. Am meisten Grundwasser und gesundes Trinkwasser entstehen in Mischwäldern mit einem hohen Anteil an Laubbäumen. Der Waldboden kann – wie ein Schwamm – das Wasser aufnehmen und speichern. In den oberen 10 cm des Waldbodens, also der humusreichen Schicht, werden bis zu 50 Liter Niederschlagswasser pro Quadratmeter gespeichert.
Pilze und zahlreiche Mikroorganismen im Waldboden sorgen für die „chemische“ Aufbereitung des Wassers, sodass das Grundwasser aus dem Wald meist ohne kostspielige Reinigung als Trinkwasser genutzt werden kann. Nicht ohne Grund ist etwa ein Drittel der deutschen Wälder als Wasserschutzgebiete ausgewiesen.

Die deutsche Forstwirtschaft fördert das „Wasserwerk Wald“ durch

  • den Verzicht auf Kahlschläge
  • einen weitgehender Verzicht auf Chemie im Wald
  • den Einsatz von bodenschonenden Arbeitsverfahren und Maschinen
  • Schutz von Gewässern, Quellbereichen und Mooren in Wäldern
  • den Erhalt großer zusammenhängender Waldflächen
  • Aufforstung und Naturverjüngung
  • die Entwicklung von naturnahen Mischwäldern.

Das Trinkwasser aus dem Wasserhahn könnten die Wasserversorger ohne die Wasser- und Speicherfunktionen des Waldes nicht in der gewünschten Menge und Qualität anbieten. Ohne Wald gäbe es keine Wassernachhaltigkeit. Ohne seine unter anderem an der Wasserqualität und Speicherfunktion ausgerichtete nachhaltige Bewirtschaftung würde es auch in Deutschland Wasserknappheit geben, wie es in anderen, spärlicher bewaldeten Regionen Südeuropas schon heute der Fall ist.

An den Gewinnen, die aus dem Wirtschaftsgut Wasser generiert werden, sind die Waldbesitzer in der Regel nicht beteiligt. Im Gegenteil: Die aus der Ausweisung von Wasserschutzgebieten resultierenden Auflagen müssen sie tragen. Hinzu kommen teilweise noch hohe Beiträge der Wasser- und Bodenverbände, die auch die Waldbesitzer zu zahlen haben, obwohl sie selbst die Grundlage für das Wirtschaften dieser Verbände legen.

Das Prinzip der Nachhaltigkeit

Was bedeutet Nachhaltigkeit? Der Begriff Nachhaltigkeit beschreibt das Konzept, eine Ressource nur so zu nutzen, dass sie nicht final verbraucht, vernichtet oder dauerhaft unbrauchbar wird.

Waldbewirtschaftung

Nachhaltigkeit bedeutet Regulierung, kein freies Spiel vor allem von Marktkräften. Nachhaltigkeit ist ein Nutzungskonzept, dessen Kern auf Selbstbeschränkung, Verzicht und Selbstdisziplin beruht. Es basiert auf den Leistungen und Nutzungsverzichten früherer Generationen und verbindet die Interessen der heutigen Nutzer mit dem Wohl künftiger Generationen. Nachhaltigkeit beschränkt sich auf eine schonende, ressourcenerhaltende Nutzung, sie verzichtet bewusst auf eine rücksichtslose Ausbeutung einer Ressource. Nachhaltigkeit beinhaltet daher auch Selbstdisziplin bei der Umsetzung des technisch und wirtschaftlichen Machbaren.

Wer hat das Konzept der Nachhaltigkeit erfunden?

Wer zuerst die Idee hatte, wissen wir nicht. Vermutlich hat sie sich über viele Generationen hinweg aus der Beobachtung entwickelt, dass eine Ressource nur so lange genutzt werden kann, bis sie verbraucht, erschöpft oder vernichtet ist. Die Entwicklung der Nachhaltigkeitsidee ist untrennbar damit verbunden, wie der Mensch seine Umwelt und die darin vorkommenden Ressourcen nutzt. Der Impuls, über Nachhaltigkeit nachzudenken, entstand erst, als benötigte Ressourcen infolge von Übernutzung knapp wurden.

Vielerorts im spätmittelalterlichen Deutschland war der Wald eine solche übernutzte Ressource. Denn Holz war schon immer ein überlebenswichtiger Rohstoff. Holz diente nicht nur als Bau- und Werkmaterial, sondern auch ganz wesentlich zur Energiegewinnung. Holz war unverzichtbar für alle Lebensbereiche, im Kleinen wie im Großen, für das häusliche Kochen und Backen ebenso wie für die ersten vorindustriellen Großverbraucher wie Städte, Erzschmelzereien, Glashütten, Salinen, Ziegeleien oder Brauereien. Dafür wurde Holz im großen Stil geschlagen und viele Wälder verwüstet. Die aufgelichteten Wälder wurden außerdem oft auch als Viehweide genutzt. Ziegen, Schafe, Schweine und Rinder lieben die Blätter und zarten Triebe junger Bäume. Wo zu viele Tiere fraßen, hatte der Wald keine Chance nachzuwachsen. Versuche, verwüstete Wälder wieder herzustellen, waren mühsam und nicht immer so erfolgreich wie die 1368 begonnenen Aufforstungsversuche des Handelsherrn Peter Stromer im Nürnberger Reichswald.

Einer der frühesten erhaltenen schriftlichen Nachweise der Nachhaltigkeitsidee findet sich in der kursächsischen Forstordnung von 1560. Sie regelte den Umgang mit dem Wald als Lieferant für den damals wie heute begehrten und knappen Rohstoff Holz. Im Kern gab sie vor, dass nicht mehr Holz genutzt werden dürfe, als auf Dauer nachwächst. Der Begriff „Nachhaltigkeit“ wurde darin aber noch nicht verwendet. Aber auch in anderen Regionen wurden vergleichbare Regelungen entwickelt, um die Wälder vor Übernutzung und Degradierung zu schützen.

Aber erst 1713 prägte der sächsische Bergmann Hans Carl von Carlowitz den Begriff „Nachhaltigkeit“. In seinem Buch „Sylvicultura oeconomica“ oder „haußwirthliche Nachricht und Naturmäßige Anweisung zur Wilden Baum-Zucht“ fasste er das forstliche Wissen seiner Zeit zusammen, erweiterte es durch eigene Erfahrungen und formulierte erstmalig das Konzept einer nachhaltigen Waldbewirtschaftung. Sein Buch wurde 1713 auf der Ostermesse in Leipzig vorgestellt; 2013 feierte es sein 300. Jubiläum.

Seitdem wurde das Konzept der forstlichen Nachhaltigkeit stetig weiterentwickelt. Heute umfasst es auch das Streben nach einer ausgeglichenen, dauerhaften Gewährleistung sämtlicher Leistungen und Funktionen des Waldes.

Unsere Wälder

Deutschland ist mit 226 Einwohner/km² eines der am dichtesten besiedelten Länder Europas. Dennoch ist rund ein Drittel unseres Landes (11,4 Millionen Hektar) mit Wald bedeckt. Damit ist Deutschland eines der waldreichsten Länder in der Europäischen Union.

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Regional schwankt der Bewaldungsanteil sehr stark, zum Beispiel zwischen 3,3 Prozent im Landkreis Dithmarschen (Schleswig-Holstein) und 63 Prozent im Landkreis Regen (Bayern).

In den letzten zehn Jahren blieb die Waldfläche in Deutschland konstant. Mit 76 Prozent – fünf Prozent mehr als noch 2002 – wurde wieder ein beachtlicher Laub- und Mischwaldanteil erreicht. Auch stieg der Anteil der über 80-jährigen Bestände auf ein Drittel der Waldfläche an. Die Holzvorräte in Deutschland liegen aktuell bei 336 Kubikmetern je Hektar; das entspricht circa 3,7 Milliarden Kubikmetern Gesamtvorrat.

Im europäischen Vergleich hat Deutschland damit einen führenden Platz. Dies alles ist das Ergebnis der Bemühungen, nach den großen Waldverwüstungen des 19. Jahrhunderts und den Kahlschlägen infolge der beiden Weltkriege wieder ertragreiche und ökologisch wertvolle Wälder aufzubauen. Heute sind 70 Prozent der deutschen Waldfläche freiwillig gemäß Nachhaltigkeitskriterien privater und unabhängig kontrollierter Zertifizierungssysteme (FSC/PEFC) zertifiziert.

Die häufigsten Bäume im deutschen Wald sind die Fichte mit 25 Prozent (jeweils der Waldfläche), die Kiefer mit 22 Prozent und die Buche mit 15 Prozent. Es folgen die Eiche mit 10 Prozent, die Birke mit circa 4,5 Prozent und die Lärche mit noch circa 2,8 Prozent Anteil an der Waldfläche.

Der Wald in Deutschland besteht insgesamt aus über 90 Milliarden Bäumen, davon rund 7,6 Milliarden Bäume ab sieben Zentimeter Brusthöhendurchmesser. Jeder einzelne davon ist ein einzigartiges Wunderwerk der Natur. Der Baum produziert seine Biomasse, wie alle grünen Pflanzen, aus Kohlendioxid (CO2), Wasser und Sonnenenergie. Tagsüber nehmen die Blätter das Kohlendioxid aus der Luft auf und erzeugen daraus mit Hilfe des Chlorophylls Traubenzucker, der als Energiequelle und Baustoff für weitere chemische Prozesse benötigt wird. Durch die Verkettung der Zuckermoleküle entsteht beispielsweise Zellulose, der Hauptbestandteil von Holz. Als Abfallprodukt wird dabei noch Sauerstoff (O2) freigesetzt.

Ein 100-jähriger Eichenwald, bei dem ein Baum circa 130.000 Blätter als biologische Solarzellen hat, filtert jährlich circa 11.000 Kilogramm Kohlendioxid pro Hektar aus der Luft. Solch ein Wald bindet jährlich rund 3.000 Kilogramm Kohlenstoff pro Hektar zu organischen Substanzen wie Holz, Blättern und Rinde. Durch diesen Vorgang (die Photosynthese) werden bis zu 8.000 Kilogramm Sauerstoff freigesetzt; dies entspricht dem Jahresbedarf von 17 Menschen.

Gleichzeitig arbeitet der Baum wie eine Klimaanlage. Die Wurzeln der Eiche saugen jährlich etwa 40.000 Liter Wasser aus dem Boden, das über die Blätter wieder verdunstet. Die dabei entstehende Verdunstungskälte sorgt dafür, dass es im Wald selbst an heißen Sommertagen angenehm kühl ist. Durch den Niederschlag erhält der Boden das Wasser im Kreislaufsystem wieder zurück. Zudem filtern die Blätter im Jahr etwa eine Tonne Staub und Verunreinigungen aus der Luft.

Holz vernetzt die Welt

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Was wäre unser Leben ohne Holz? „Holz ist der größten und nötigsten Dinge eines in der Welt, des man bedarf und nicht entbehren kann.“ Diese Worte vom 30. August 1532 stammen von Martin Luther. Was viele nicht wissen: Holz ist auch in unserer modernen Welt unverzichtbar.

Zu allen Zeiten wurde es als Bauholz, als Werkstoff für die Herstellung von Alltagsgegenständen, Handelswaren und Kunstwerken aber auch von Werkzeugen sowie als Energieträger verwendet. Die Worte Luther’s gelten heute noch uneingeschränkt: Holz ist immer noch einer der wichtigsten Roh- und Werkstoffe der Menschheit. Die folgenden Beispiele zeigen exemplarisch, wo überall und in welch vielfältigen Formen es auch in unserer modernen, digitalisierten Welt allgegenwärtig ist, selbst wenn wir es kaum noch wahrnehmen. Die Tatsache, dass Deutschland heute noch zu einem Drittel bewaldet ist, und unsere Wälder diesen wichtigen umweltfreundlichen Rohstoff und Energieträger nach wie vor in großer Menge erzeugen, ist dabei keineswegs selbstverständlich. Unsere heutigen Wälder sind das Ergebnis einer genialen kulturellen Entwicklung, nämlich des Konzepts einer nachhaltigen Forstwirtschaft, in Verbindung mit konsequentem forstpolitischem Handeln (Waldgesetze) und der Generationen übergreifenden Arbeit ungezählter Waldbesitzer und Forstleute.

Der Austausch von Ideen und Waren zwischen unterschiedlichen Regionen, Ländern und Erdteilen wäre ohne Holz noch viel beschwerlicher gewesen. Schon der kurze Transport der landwirtschaftlichen Ernte in die Scheune ist ohne hölzerne Erntewagen kaum zu bewerkstelligen gewesen. Über viele Jahrhunderte bestanden Boote, Schlitten, Wagen und Räder ausnahmslos aus Holz. Ohne Holzschiffe hätte Kolumbus 1492 Amerika nicht entdeckt, und die Brüder Wright wären fast 400 Jahre später mit ihrem Flugzeug nicht vom Boden abgehoben.

Das erste Fahrrad, das 1817 von Freiherrn Karl von Drais erfundene Laufrad, war aus Holz. Das erste mechanische Individualverkehrsmittel war erfunden. Wenige Jahre später revolutionierte die Eisenbahn das Reisen. Die Schwellen, die die Spurweite der Schienen bestimmen und dazu beitragen, dass die Schienenstränge auch bei hoher Belastung stabil bleiben, waren und sind teilweise heute noch aus Holz.

Doch nicht nur die Fahrzeuge, auch Transportbehältnisse wie Fässer und Kisten waren aus Holz. Selbst heute, im Zeitalter der Containerschifffahrt und des Online-Handels: Ohne Holzpaletten, Kartonagen und Verpackungen auf Holzbasis wären diese Warenströme und unser hoher Lebensstandard nicht möglich.

Wer den Wald schützt, kann dauerhaft von seinen Produkten leben! Schutz durch Nutzung: So lässt sich das Prinzip der forstlichen Nachhaltigkeit auch beschreiben. Der Verkauf von Holz erhält den Wald, denn dadurch entsteht ein wirtschaftlich messbarer Wert. Den Wert des Waldes zu erhalten und zu steigern, ist ein Anreiz für viele Waldbesitzer. Der Holzverkauf ist die wirtschaftliche Existenzgrundlage für eine nachhaltige Forstwirtschaft und eine unverzichtbare Voraussetzung dafür, dass die Waldbesitzer in die Entwicklung ihrer Wälder langfristig investieren.
Denn es dauert rund 100 Jahre, bis ein Baum groß genug ist, dass aus seinem Stamm Balken, Bretter, Möbel und andere Holzerzeugnisse hergestellt werden können. Investitionen in den Wald sind immer langfristig und zahlen sich oft erst für die übernächste Generation aus.

Die Waldmeister – Öko-Forschung in Trippstadt – heute um 22.15 Uhr auf tagesschau24.de

 

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Wie geht es dem Wald? Wenn jemand hierzulande diese Frage beantworten kann, dann sind es 60 Wissenschaftler in Trippstadt im Landkreis Kaiserslautern: „Saurer Regen“ und „Waldsterben“ – diese beiden Schlagworte prägten die hitzigen umweltpolitischen Diskussionen der 80er Jahre. Die Sorge um die Folgen von Industrie- und Autoabgasen führte 1984 auch zur Gründung der „Forstlichen Versuchsanstalt“ inmitten von Deutschlands größtem Waldgebiet. Noch immer ist sie in einem Barockschloss in der Pfälzer Gemeinde untergebracht, aber sie heißt inzwischen „Forschungsanstalt für Waldökologie und Forstwirtschaft“ und auch ihr Forschungsschwerpunkt hat sich verändert. Heute geht es vor allem um die Analyse des Klimawandels, den Umbau der Wälder zu naturnahen Mischwäldern und um die Beratung der Forstwirtschaft. „Made in Südwest“ begleitet den dienstältesten Trippstadter Forscher, wirft einen Blick in die Datenbank, die das Erbgut in Rheinland-Pfalz vertretener Bäume und Sträucher aufbewahrt und zeigt, weshalb ihre Arbeit die Trippstadter „Waldmeister“ manchmal in luftige Höhen führt.