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Was bedeutet naturnahe Waldbewirtschaftung?

Aus Sicht unseres Partners Landesforsten Rheinland-Pfalz, stellt das Konzept der naturnahen Waldbewirtschaftung die beste Strategie dar, um unsere Wälder zu schützen, ihre Leistungsfähigkeit für den Naturhaushalt zu bewahren und die Vielfältigkeit der Bedürfnisse von Waldnutzer:innen zu erfüllen. Aber was bedeutet das genau?

Ein ganz zentraler Aspekt ist das Arbeiten mit standortgerechten Baumarten. Diese wachsen nicht nur gut und stabil, sondern wirken sich auch positiv und ohne schädliche Einflüsse auf den Waldboden und andere Teile des Ökosystems aus. Daher setzen sich die Landesforsten dafür ein, Mischwälder mit einem hohen Anteil regionaltypischer Laubbäume zu schaffen.

Natürlich befinden sich auch Waldökosysteme in einem stetigen Wandel, wodurch auch die Pflege, Behandlung und Ernte der vorkommenden Baumarten den verschiedenen Phasen der Waldentwicklung angepasst werden muss.

Folgende Grundsätze kennzeichnen eine naturnahe Waldbewirtschaftung und das Verständnis einer ökologischen Waldentwicklung des Landesforsten Rheinland-Pfalz:

  • Verzicht auf Kahlschläge
  • Die Bewirtschaftung der Wildvorkommen wird verträglich für die Ökosysteme gestaltet: Seltene Wildarten werden gezielt gefördert, überhöhte Wildbestände werden auf ein Maß verringert, bei dem die Waldverjüngung aller Baum- und Straucharten ohne Zaun möglich ist.
  • Die Bäume werden nach ihrer individuellen Reife geerntet, wenn sie dick und wertvoll sind.
  • Natürliche Verjüngung hat Vorrang vor Pflanzung, natürliche Wiederbewaldung wird unterstützt.
  • Waldböden werden nicht auf ganzer Fläche befahren.
    Wertvolle Waldränder werden ganz speziell behandelt.
  • Auf den Einsatz von Chemie wird zugunsten eines integrierten Waldschutzes weitgehend verzichtet.
  • Waldtypische Lebensräume (zum Beispiel Alt- und Totholz) und seltene Tier- und Pflanzenarten werden erhalten, gepflegt und entwickelt.
  • Das Netz der Naturwaldreservate, als Spiegel der natürlichen Entwicklung, wird wissenschaftlich betreut.

Baumpflanzungen im Frühjahr 2022

Wir freuen uns euch von unseren neusten Baumpflanzungen berichten zu können!

In Zusammenarbeit mit den Landesforsten Rheinland-Pfalz und unserem Partner Landal GreenParks wurden im Frühjahr 2022 von den Mitarbeitenden des Forstamtes Saarburg 5.000 Bäume ausgebracht! Die Pflanzungen vieler unterschiedlicher Baumarten fanden im Staatswald des Forstamtes Saarburg in den Forstrevieren Klink und Serrig statt.

Ergänzungspflanzungen von Ahorn in Wuchshüllen und Douglasien mit Einzelschutz

 

Auf einer durch Käfer- und Windwurf geschädigten Fläche wurden Ergänzungspflanzungen von Ahorn in Wuchshüllen und Douglasien mit Einzelschutz jeweils in Kleingruppen, sogenannten Klumpen, vorgenommen. Die Bäumchen wachsen nun zwischen Tannen- und Buchengruppen aus Vorausverjüngung.

In einem weiteren Waldabschnitt konnten Kleingruppen aus Rotbuchen und Weißtannen in den hier zu findenden älteren Fichtenbestand im Rahmen der Vorausverjüngung ausgebracht werden.

Weißtanne kurz vor dem Austrieb
Frisch ausgetriebene Rotbuche

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Bei der Vorausverjüngung werden noch intakte, aber labile reine Nadelwälder mit klimastabileren Mischbaumarten angereichert. Hierbei werden schattenertragende junge Bäumchen unter den Kronenschirm der Altbäume gepflanzt. In deren Schutz wächst dann ein Zwei-Generationen-Mischwald heran.

Auch unter älteren Fichten wurden Weißtannen als Vorausverjüngung in Kleingruppen ausgebracht. Geschützt werden die Jungbäume mit Drahthüllen und Vergällungsmittel.

Tanne mit zweierlei Schutz
Libanon-Zeder vor dem Austrieb

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Auf sogenannten Kalamitätsflächen wächst nun ergänzend junger Bergahorn zwischen schon etwas größeren Buchengruppen aus Vorausverjüngung. In einem anderen Abschnitt fand die Wiederaufforstung mit Douglasie, Bergahorn und Zedern statt. Weitläufige Borkenkäferflächen wurden mit verschiedenen Laubhölzern wie junge Traubeneichen, Esskastanien und Hainbuchen aufgeforstet.

Junge Esskastanie
Junge Traubeneiche

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Als Kalamitätsflächen bezeichnet man in der Forstwirtschaft und der Forstwissenschaft eine Massenerkrankung von Waldbeständen, die zu großflächigen Ausfällen führen kann und damit meist mit wirtschaftlichen Folgen verbunden ist.

Monokulturen und Altersklassenwälder sind verstärkt von Kalamitäten betroffen, die oft durch die massenhafte Vermehrungen von Pflanzenfressern ausgelöst wird. Aber auch Schneebruch oder Sturmschäden werden als Kalamitäten bezeichnet.

Deutscher Erdüberlastungstag 2022

Gestern, am 4. Mai 2022, war der deutsche Erdüberlastungstag. Das bedeutet, dass der Ressourcenverbrauch in Deutschland in diesem Jahr so hoch war, dass zu diesem Zeitpunkt bereits alle regenerierbaren Ressourcen verbraucht wurden, die uns die Erde für das ganze Jahr zu bieten hat.

Quelle: Global Footprint Network

 

Der frühe Termin verdeutlicht noch einmal, „wie sehr wir über dem Limit leben, unsere knappen Ressourcen vergeuden und wie schlecht wir unsere Ökosysteme weiter behandeln», so Christoph Heinrich, Vorstand Naturschutz beim WWF Deutschland.

Zum Vergleich: Im Jahr 2018 fiel der deutsche Overshoot Day auf den 2. Mai, 2019 und 2020 auf den 3. Mai, und 2021 auf den 5. Mai.

Die Gründe für den frühen Termin sind vielfältig, doch der weiterhin viel zu hohe Energieverbrauch, der hohe CO2-Ausstoß im Verkehr und in der Massentierhaltung sowie die Verunreinigung von Luft, Böden und Grundwasser spielen eine primäre Rolle.

Baumpflanzungen im Herbst 2021

Wir pflanzen weiter! Auch in diesem Jahr freuen wir uns, euch von unseren letzten Baumpflanzungen berichten zu können.

In Zusammenarbeit mit den Landesforsten Rheinland-Pfalz und unserem Partner Landal GreenParks wurden im Herbst 2021 von den Mitarbeitenden des Forstamtes Hochwald erneut 10.000 Bäume ausgebracht!

Pflanzung  in Kleingruppen (Klumpen) im Staatswald Beuren, Foto: Landesforsten RLP

Im Forstrevier Beuren wurden insgesamt 4.000 Buchen, 2.000 Hainbuchen und 2.000 Winterlinden im Staatswald gepflanzt. In einem anderen Waldabschnitt  des Forstreviers konnten 1.500 Buchen und 500 Hainbuchen in den hier zu findenden Fichtenbestand im Rahmen der Vorausverjüngung ausgebracht werden.

Wir wollen in den mittelalten, reinen Nadelholzbeständen eine Vorausverjüngung mit Laubholz (Schattbaumarten) etablieren, um damit aus den reinen Nadelholzbeständen im Laufe der Zeit Laub-/Nadel-Mischbestände entstehen zu lassen.

Pflanzaktion Herbst 2021, Foto: Landesforsten RLP

Bei dem Verfahren der Vorausverjüngung werden noch intakte, aber labile reine Nadelwälder mit klimastabileren Mischbaumarten angereichert. Hierbei werden schattenertragende junge Bäumchen wie beispielsweise Buchen, Hainbuchen und Winterlinden unter den Kronenschirm der Altbäume gepflanzt. In deren Schutz wächst dann ein Zwei-Generationen-Mischwald heran. Die Pflanzung erfolgt in Kleingruppen, so dass sich dazwischen weitere Baumarten von Natur aus ansamen können. Denn tierische Waldbewohner wie das Eichhörnchen oder der Eichelhäher verbreiten weitere Baumsamen auf natürlichem Wege. Sterben die Altbäume einmal ab oder werden geerntet, ist die neue zukunftsfähige Waldgeneration bereits vorhanden.

Oberstes Ziel unserer Pflanzaktionen ist auch weiterhin die langfristige Entwicklung standortgerechter, arten- und strukturreicher Mischwälder mit Bäumen verschiedener Alter, Höhe und Durchmesser. Dadurch werden die natürlichen Widerstandskräfte der Wälder bestmöglich gestärkt!

Flechten – Tiere, Pilze oder Pflanzen?

Oft leuchten sie gelb auf den Rinden einzelner Bäume, häufig sind sie eher unscheinbar: Flechten.

Als wahre Überlebenskünstler sind sie weder Tier noch Pflanze, sondern „Doppelwesen“ aus Algen und Pilzen. Somit bestehen sie aus zwei verschiedenen Organismen. Zahlreiche Schlauchpilze können nur in enger Verbindung mit lebenden Grün- oder Blaualgen existieren. Dabei leben sie in einer symbiotischen, somit für beide Arten nützlichen Lebensgemeinschaft. Der Pilz erhält von der Alge, die Fotosynthese betreibt, energiereiche Kohlenhydrate und im Gegenzug liefert der Pilz Wasser und Mineralsalze. Zudem schützt sie der Pilz durch Pigmentbildung vor starker Sonneneinstrahlung. Dadurch konnten die weltweit rund 25.000 Flechtenarten die rauesten Standorte besiedeln. Fast jede alte Mauer und Hauswand, die nicht regelmäßig gereinigt wird, wird nach einigen Jahren von Flechten besiedelt. Auch auf Rinden älterer freistehender Bäume kommen sie vor, seltener sind erdbewohnende Arten. Flechten wachsen im Wald sehr langsam, wodurch sie nur selten der Konkurrenz durch Pflanzen und Moosen gewachsen sind.

Aber welchen Stellenwert haben Flechten im Wald?

Flechten tragen einen ganz wesentlichen Teil zur biologischen Vielfalt von Waldökosystemen bei, indem sie die Bedingungen für andere Organismen verbessern. Sie dienen als eigener Lebensraum für Tiere, besiedeln Steinhabitate als Pionierarten, schützen Bäume vor Bakterien und Pilzen, bringen Wasser und Nährstoffe aus der Atmosphäre in das Ökosystem ein und dienen als Nahrungsquelle sowie Nistmaterial. Durch ihre Empfindlichkeit gegenüber ökologischen Veränderungen, eignen sie sich zudem als natürlicher Anzeiger für den Zustand unserer Wälder.

Es ist wichtig zu wissen, dass die meisten Flechtenarten relativ spezifisch an bestimmte Baumarten angepasst sind. Dies liegt darin begründet, dass sie die verschiedenen chemischen und physikalischen Eigenschaften des jeweiligen Substrats bevorzugen.  Der Verlust einer Baumart führt somit auch zum Absterben von Flechtenarten.

Schon heute sind durch die Luftverschmutzung ehemals weit verbreitete Rindenflechten seltener geworden und komplett aus den Ökosystemen verschwunden. Mehr als die Hälfte der heimischen Flechten werden laut Roter Liste als gefährdet eingestuft. Flechten benötigen daher eine stärkere Aufmerksamkeit als ihnen bisher zuteilwird.

Der Baum des Jahres 2022: Die Rotbuche

Bereits zum 34. Mal hat die Silvius-Wodarz-Stiftung den Baum des Jahres gekürt. Wie schon im Jahr 1990 geht der Titel 2022 an die Rotbuche (lat. Fagus sylvatica)! Erstmals erhält ein Baum diesen Titel damit zum zweiten Mal.

Rotbuchen galten lange als Hoffnungsträger für den klimastabilen Mischwald. Doch die Tatsache, dass auch sie zunehmend unter der klimabedingten Trockenheit leiden, gab für die Stiftung den Ausschlag, die Buche erneut ins öffentliche Blickfeld zu rücken.

Die konkurrenzstarke und mit enormer Wuchskraft ausgestattete Baumart ist mit einem Anteil von 16 Prozent die häufigste Laubbaumart in Deutschlands Wäldern und in ganz Mitteleuropa heimisch. Laut Aussage der Silvius-Wodarz-Stiftung ist die Rotbuche die am stärksten durch den Menschen zurückgedrängte Baumart in Deutschland. Erst seit etwa drei Jahrzehnten nehmen die Buchen in Deutschlands Wäldern langsam wieder zu. Sie kann eine Höhe von bis zu 45 Metern und einen Stammdurchmesser von 1,50 Metern erreichen. Unter optimalen Bedingungen kann sie etwa 350 Jahre alt werden. Die älteste Rotbuche in Europa steht in den Österreichischen Kalkalpen und ist 550 Jahre alt.

Die Namensgebung kann zu Missverständnissen führen, denn die Rotbuche weist keine roten bis schwarz-roten Blätter auf, wie einige Buchen in Parks, größeren Gärten und auf Friedhöfen. Dieser auffällige Baum ist die Blutbuche, eine kultivierte Varietät der Rotbuche. Der Name der Rotbuche, verweist auf ihr im Alter rötlich eingefärbtes Kernholz.

Markenzeichen sind ihr glatter, gerader Stamm mit silbergrauer Rinde und die langen rötlich-braunen Knospen an den Zweigen. Erst nach 20 Jahren bis 40 Jahren bringen Rotbuchen im Frühling Blütenstände hervor, aus denen sich bis zum Herbst Bucheckern entwickeln. Besondere Ansprüche an den Standort stellt die Buche nicht. Sie kommt auf allen Waldstandorten gut zurecht, außer in Auwäldern, Mooren, Sümpfen und auf sehr trockenen Böden. Rotbuchen gelten als standfest, hitzetolerant und klimaresilient. Doch seit einigen Jahren und verstärkt durch die vergangenen Dürresommer weisen auch Rotbuchenbestände verkahlte Kronen, Schädlingsbefall und Symptome komplexer Baumkrankheiten auf, die zum Absterben der Bäume führen können.

Die von 2018 bis 2020 anhaltende Trockenheit mit sommerlichen Hitzeperioden konnte wohl keine unserer Waldbaumarten unbeschadet überstehen. Von den vier Hauptbaumarten Fichte, Kiefer, Eiche und Buche hat es die Fichte laut Waldzustandsbericht der Bundesregierung mit Abstand am stärksten getroffen. Allein im Jahr 2020 sind über vier Prozent aller Fichten abgestorben. Dagegen wies die Buche mit ca. 0,3 Prozent die geringste Absterberate auf, wovon die meisten Bäume an sonnenexponierten Süd- und Südwesthängen auf Böden mit geringem Wasserspeichervermögen standen.

Die Silvius-Wodarz-Stiftung prophezeit der Rotbuche eine durchaus positive Zukunft, denn es spricht vieles dafür, dass die Buche ihren Platz in den Wäldern trotz der sich ändernden klimatischen Verhältnisse durchaus halten und auch erweitern kann: Sie ist fast in ganz Deutschland verbreitet, auf nassen bis hin zu trockenen Standorten, von den Bergen bis ins Flachland. Darüber hinaus gilt ihr genetisches Anpassungspotenzial als recht hoch und viele der Waldflächen, von denen sich die Fichte absehbar zurückziehen wird, stellen für Buchen gut geeignete Standorte dar. Somit ergeben sich gute Chancen, dass die Buche dort jetzt einen Teil ihres verlorenen Terrains zurückerobern wird.

Waldgebiet des Jahrs 2020/21 – Die Ivenacker Eichen

In diesem Jahr wurde bereits zum zehnten Mal das Waldgebiet des Jahres durch den Bund Deutscher Forstleute (BDF) ausgerufen. Wie bereits im letzten Jahr, fällt hier die Wahl auf die „Ivenacker Eichen“ in Mecklenburg-Vorpommern.

„Da durch die Corona-Beschränkungen in diesem Jahr die geplanten Veranstaltungen zum Waldgebiet des Jahres nicht stattfinden konnten, war es für den BDF ein Gebot der Fairness die Ivenacker Eichen auch im kommenden Jahr als ‚Waldgebiet des Jahres‘ zu betrachten, um die Einschränkungen dieses Jahres zu kompensieren.“ so BDF-Bundesvorsitzender Ulrich Dohle.

Das mit ca. 164 ha recht kleine Waldgebiet im Herzen Mecklenburg-Vorpommerns wurde vom BDF ausgewählt, weil es die Tradition des mittelalterlichen Hutewaldes mit dem deutschlandweit wohl einmaligen Ensemble „1.000-jähriger Eichen“ erlebbar macht. Das Waldgebiet mit den namensgebenden Ivenacker Eichen verkörpert in spezieller Weise die im Mittelalter vorherrschende Wirtschaftsform der Waldweide. Die Begriffe „Waldweide“ oder „Hutung“ (abgeleitet von „hüten“) beschreiben die historische Landnutzungsform.Hierbei wurde Nutzvieh wie Kühe oder Schweine zur Futtersuche in die Wälder getrieben, denn bis weit in das 19. Jahrhundert waren Eicheln und Bucheckern unverzichtbare Bestandteile des Viefutters. Durch den Verbiss der Tiere kam es zu einem prägenden Nebeneffekt: der so reduzierte Aufwuchs führte zu einem deutlich verringerten Konkurrenzdruck für Bäume wie die Eiche, sodass sich diese zu typischen Hudebäume mit massiven Stämmen, weit ausladenden und tiefhängenden Kronen und starken, verzweigten Ästen entwickeln konnten. So kam es, dass Hudewälder einen fast parkähnlichen Charakter mit einer Vielzahl von Einzelbäumen aufwiesen. Die ältesten Eichen weisen mittlerweile eine Höhe von über 35 Metern, einen Umfang von 11,7 Metern und ein Holzvolumen von 140 Kubikmetern auf.

Bei den Ivenacker Eichen steht heute die Darstellung und Entwicklung dieser historischen Waldnutzungsform im Mittelpunkt aller Maßnahmen und Angebote. Hierzu gehört, dass beispielsweise keine baumchirurgischen Maßnahmen durchgeführt und Schäden an den Wurzeln durch eine Abstandsbegrenzungen vermieden werden. So kann der Charakter des Hudewaldes gewahrt werden. Seit dem Ende der Waldweide wird der für das offene und lichte Waldbild wichtige Verbiss von Jungpflanzen vor allem von Damwild übernommen. Ursprünglich wurden die Tiere für Jagdzwecke des Adels in den Wald der Ivenacker Eichen angesiedelt. Seit einigen Jahren unterstützen auch Muffelschafe und die seltene und gefährdeten Schweinerasse Turopolje den Erhalt des Hudewaldes im Ivenacker Tiergarten.

Ohne Zweifel zählen die Ivenacker Eichen damit zu den ältesten Bäumen Deutschlands und besitzen eine besondere Symbolkraft. Mit seinen rund 1.000-jährigen Eichen ist der Hudewald einmalig und in Bezug auf seinen Natur- und Kulturwert besonders schützenswert. Die vor Ort tätigen Forstleute tragen in vorbildlicher Weise zusammen mit Partner:innen aus der Region dazu bei, die alte Waldbewirtschaftungsform lebendig zu erhalten und sichern zudem das wertvolle Ökosystem im Rahmen verschiedener Naturschutzstrategien und angepasster Waldwirtschaft.

Und es ist Herbst!

Schon länger sah es sehr danach aus, jetzt ist es offiziell: Der Herbst ist da. Zumindest aus meteorologischer Sicht, denn heute, am 1. September, ist meteorologischer Herbstanfang. Und damit beginnt auch die Pilzsaison! Gerade jetzt ist die beste Zeit bei Waldspaziergängen die Augen nach Pilzen besonders weit aufzuhalten. Durch den recht nassen Sommer, stehen die Chancen darauf, fündig zu werden in diesem Jahr besonders gut. Doch bei der Suche stellen sich einige Fragen: In welchen Wäldern findet man denn überhaupt die heißbegehrten Speisepilze?

Grundsätzlich wachsen Pilze in den unterschiedlichsten Biotopen. Essbare Pilze kann man an vielen Standorttypen finden: Einige Arten bevorzugen Böden von Nadel-, Misch- oder Laubwäldern, andere hingegen wachsen bevorzugt auf Wiesenstandorten. Fündig werden kann man nahezu überall dort, wo der Boden frei und nicht von zu vielen krautigen Pflanzen bedeckt ist. Rotkappen beispielsweise findet man bis in den November unter Birken, Pappeln und Hainbuchen. Pfifferlinge und Steinpilze sind in Laub- und Nadelwäldern zu finden, Maronen gedeihen bevorzugt unter Kiefern und Fichten, da sie saure Böden bevorzugen. Auf Wiesen und Weiden fühlt sich der beliebte Wiesen-Champignon wohl. In Naturschutzgebieten und Nationalparks ist das Sammeln von Pilzen verboten.

Vor der Ernte des Pilzes ist es ratsam, zu prüfen, ob dieser genießbar ist oder nicht. Das wahllose Sammeln und spätere Bestimmen erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass sich auch Teile von Giftpilzen einschleichen. Zudem sind diese zwar für Menschen ungenießbar und teilweise gefährlich, doch dienen sie für Tiere als Nahrungsquelle und sind bedeutsam für das Ökosystem.

Bei einigen Speisepilzen besteht Verwechslungsgefahr mit ähnlich aussehenden Giftpilzen. Ein klassisches Beispiel sind Wiesen-Champignons und die hochgiftigen Knollenblätterpilze. Hier kann ein sehr auffälliges Unterscheidungsmerkmal helfen: Wiesen-Champignons haben rosafarbene oder braune Lamellen, Knollenblätterpilze weiße. Manche Pilzarten stehen unter Schutz und dürfen laut Bundesartenschutzverordnung gar nicht oder nur in geringen Mengen gesammelt werden.

Gerade am Anfang kann es schwerfallen, die unterschiedlichen Arten sicher zu bestimmen. Hier ist es sinnvoll, sich am besten von erfahrenen Sammler*innen begleiten zu lassen. Eine große Hilfe sind zudem Pilzführungen, die häufig von Volkshochschulen und vom NABU im Herbst angeboten werden.

Earth Overshoot Day 2021

In diesem Jahr fiel der Earth Overshoot Day („Welterschöpfungstag“ oder „Weltüberlastungstag“) auf den 29. Juli. Dieser markiert den Tag des Jahres, an dem die menschliche Nachfrage nach natürlichen Ressourcen der Erde größer ist, als deren Kapazität zur Reproduktion dieser Ressourcen im laufenden Jahr. Zusammengefasst: Ab diesem Tag lebt die Menschheit über ihre Verhältnisse.

Zum Vergleich: 2020 fiel dieser auf den 22. August und in den beiden Jahren zuvor ebenfalls auf den 29. Juli. Es wird vermutet, dass im COVID Lockdown leichte Ressourcengewinne dazu führten, dass der Weltüberlastungstag 2020 rund 3 Wochen später eintrat. Leider waren diese nur von kurzer Dauer. Das diesjährige Datum unterstreicht erneut die Dringlichkeit, einen wirtschaftlichen Aufschwung voranzutreiben, bei dem dem alle innerhalb der Möglichkeiten unserer Erde entwickeln können.

„Schon nach sieben Monaten, bereits am 29. Juli, haben wir das Kontingent unserer Erde an biologischen Ressourcen für 2021 aufgebraucht. Falls Sie daran erinnert werden müssten, dass wir uns in einer klimatischen und ökologischen Notsituation befinden, dann tut dies der Earth Overshoot Day», sagte Susan Aitken, Bürgermeisterin von Glasgow, im Namen des Global Footprint Network und der Scottish Environment Protection Agency (SEPA).

Die Liste der natürlichen Ressource der Erde ist lang, dazu zählen saubere Luft, Erdöl, Wasser, Kohle und das Holz unserer Wälder. Doch auch andere Rohstoffe, Flächen sowie die Funktion und Qualität von Umweltkomponenten wie Boden, Luft und Wasser oder genetische Vielfalt (H. Schütz, S. Bringe: Ressourcenverbrauch von Deutschland – aktuelle Kennzahlen und Begriffsbestimmungen – Erstellung eines Glossars zum „Ressourcenbegriff“ und Berechnung von fehlenden Kennzahlen des Ressourcenverbrauchs für die weitere politische Analyse, 2008). Der eigene Ressourcenverbrauch lässt sich anhand des Ökologischen Fußabdruckes berechnen, der als eine Art Buchhaltungssystem für die Umweltressourcen unserer Erde verstanden werden kann.

Auf der Angebotsseite stehen die natürlichen Flächen der Erde: von Wäldern, über Meere, bis hin zu Wüsten und Seen. Hierbei wird auch die unterschiedliche „biologische Produktivität“ der Erdoberfläche berücksichtigt. Das Ergebnis entspricht der Biokapazität der Erde. Die Einheit der Biokapazität ist die biologisch produktive Fläche – dargestellt in der Maßeinheit „globale Hektar“ (gha) (vgl. Brot für die Welt „Über den ökologischen Fußabdruck“).

Auf der Nachfrageseite steht die Höhe des Verbrauchs an Biokapazität durch die Menschen. Sei es durch die Nutzung von Freiflächen durch Bauland oder die Rodung eines Waldes zur Energiegewinnung. Jedes menschliche Wirtschaften beansprucht natürliche Fläche.

Der ökologische Fußabdruck stellt somit die Leistungsfähigkeit des Systems Erde dar und trifft eine Aussage darüber, wieviel Biokapazität gemessen in Hektar durch die Erde bereitgestellt werden muss, um die die Nachfrage der Menschheit an die natürlichen Ressourcen zu decken. (vgl. Lexikon der Nachhaltigkeit). Anhand einer Grafik des Global Footprint Network (Abb. 1) kann man deutlich erkennen, dass unsere Nachfrage bereits seit Beginn der 1970er Jahre das Angebot der natürlichen Ressourcen überschreitet und somit ein ökologisches Defizit besteht.

Abb. 1: Naturreserven-Defizit-Trend weltweit (Quelle: http://www.footprintnetwork.org)

 

Neben dem Earth Overshoot Day gibt es auch die nationalen Overshoot Days. So fiel der deutsche Erdüberlastungstag 2021 auf den 5. Mai, 2020 und 2019 fiel er bereits auf den 3. Mai. Wären alle Nationen so verschwenderisch wie wir, würden wir den Berechnungen zufolge jährlich im Schnitt 2,9 Erden verbrauchen. Damit zählt Deutschland gemeinsam mit Nationen wie USA (5), Australien (4,6) und Russland (3,4) zu den besonders verschwenderischen Nationen (vgl. Abb. 2).

Abb. 2: Grafik: © Global Footprint Network

 

Es gibt viele Möglichkeiten, den eigenen ökologischen Fußabdruck zu senken. Dies reicht von kleinen, alltäglichen Verhaltensänderungen wie die Vermeidung von Plastiktüten, dem Kauf regionaler, saisonaler Produkte, dem Verzicht auf tierische Produkte oder der Nutzung des Fahrrads für kurze, gerne auch lange Wegstrecken, statt die Fahrt mit dem Auto.
Wollt ihr wissen, wie hoch euer ökologischer Fußabdruck ist? Unter www.fussabdruck.de könnt Ihr euren persönlichen Ökologischen Fußabdruck mit einfachen Fragen zu den Themen „Ernährung“, „Wohnen“, „Mobilität“ und „Konsum“ ermitteln und erfahren, wie Ihr ihn verringern könnt.

Die tierischen Helfer des Waldes – Der Specht

Der Wald hat viele tierische Helfer, die das Ökosystem aktiv gestalten und dabei helfen, dieses stabiler und vielfältiger zu machen. Ein besonders prominenter Helfer ist der Specht. Denn Spechte sind recht auffällige Vögel, die sich nicht nur durch ihre charakteristischen Rufe, sondern vor allem auch durch die Klopfgeräusche und das Trommeln bei der Nahrungssuche, der Bekanntmachung des Revieranspruches und der Partnerinnensuche bemerkbar machen. Spechte, die Architekten und Baumeister des Waldes, sind typische Bewohner alter strukturreicher Wälder und leben auch in vielen historischen Parkanlagen mit altem Baumbestand, wo sie Nahrung und Platz für ihre Bruthöhlen finden.

Der Buntspecht

Von den weltweit über 200 Spechtarten sind 10 auch in Deutschland beheimatet. Darunter ist der Buntspecht wohl der bekannteste Vertreter und gleichzeitig auch mit Abstand am häufigsten anzutreffen. Er ist als Generalist unter den Spechten besonders flexibel bei der Besiedelung neuer Lebensräume. Darauf folgen in ihrer Häufigkeit der Schwarzspecht, sowie der Grünspecht. Der Schwarzspecht ist die größte einheimische Spechtart und ein typischer Bewohner alter Buchenbestände, der jedoch auch in Nadelwäldern brüten kann.

Ein Schwarzspecht Pärchen

Etwas seltener kommen bei uns die Mittelspechte sowie Kleinspechte vor, was auf ihren speziellen Ansprüchen an die Qualität der Lebensräume beruht. So bevorzugt der Mittelspecht beispielweise Hartholzauen und artenreiche und alte Laubmischwälder, deren Vorkommen stark begrenzt ist. Durch das Bundesnaturschutzgesetz sind alle in Deutschland heimischen Spechtarten besonders oder streng geschützt.

Der Kleinspecht

 

Doch welchen Nutzen haben die Spechte für die Wälder?

Spechte sind Höhlenbrüter und ziehen ihre Jungen in Baumhöhlen auf. Durch ihren Höhlenbau tragen sie zur Anreicherung von Biotopholzstrukturen bei. Denn die Spechthöhlen dienen nicht nur zahlreichen anderen Vogelarten als Brutstätte, sondern werden auch von verschiedenen Säugetieren wie z. B. dem Siebenschläfer, Fledermäusen und Insekten als Wohnraum genutzt. So nimmt der Specht als Schlüsselart eine besondere Rolle ein, indem er durch seine Holzarbeiten aktiv Schutz-, Brut- und Aufzuchträume für andere Tierarten schafft. Denn von den vielen nicht mehr selbst bewohnten oder halbfertigen Baumhöhlen profitiert am Ende eine Vielzahl anderer Tierarten.

Der Grünspecht

Als Insektenfresser hilft er zudem, unter anderem die Zahl der Borkenkäfer zu reduzieren. Mit seiner langen, klebrigen Zunge, ist es ihm möglich, auch im Holz versteckte Larven zu jagen, die anderen Jägern verborgen bleiben. Somit nimmt der Specht eine wichtige Funktion bei der Aufrechterhaltung des ökologischen Gleichgewichts in seinen Lebensräumen ein. Vor allem Dreizehenspechte haben sich auf Borkenkäfer spezialisiert und spielen für die Regulation von Käferpopulationen in nadelholzdominierten Wäldern eine wichtige Rolle. Laut wissenschaftliche Untersuchungen kann beispielsweise ein einzelner Dreizehenspecht 670 000 Borkenkäfer pro Jahr vertilgt (Quelle: Waldwissen.net).