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Baumvorstellung: Die Hängebirke

In den subpolaren und gemäßigten Regionen sowie in den Gebirgen der Nordhalbkugel sind circa 40 verschiedene Birken-Arten (Betula) heimisch. Bei uns sind die Moorbirke (Betula pubescens) und die Hängebirke, auch Weißbirke genannt (Betula pendula), am häufigsten zu finden.

Die Hängebirke gehört gemeinsam mit Hainbuchen, Erlen und Haseln zur Familie der Birkengewächse, kann bis zu 120 Jahre alt werden und eine maximale Höhe von 25 Metern erreichen. Damit zählen sie zu den kurzlebigsten Baumarten unserer Breiten.

Auch die Hängebirke ist heute vor allem in den kühlen und gemäßigten Zonen der Nordhalbkugel und hier in maximalen Höhenlagen bis zu 2000 Metern verbreitet. Vereinzelt tritt sie auch im Südeuropa auf. Wie andere Birkengattungen auch, benötigt sie viel Licht und ist demzufolge häufig an Waldrändern oder auf Kahl- und Brachflächen sowie in Heiden anzutreffen.

Birken stellen keine allzu großen Standortansprüche und entwickeln sich auch auf nährstoffarmen, sauren Standorten. Sie übersteht selbst Temperaturen von bis zu -40 °C und ist somit besonders winterhart. Der Grund hierfür liegt darin, dass die Bäume die in den Zweigen vorhandene Stärke in Öl umwandeln, wobei Wärme freigesetzt wird.

Auf Frei- und Brachflächen stellt sie ihren Ruf als wahre Pionierin unter Beweis. Der Grund hierfür liegt in der intensive Samenproduktion und weiten Verbreitung der Früchte. Zudem wachsen vor allem junge Birken schnell in die Höhe, was ihnen einen Standortvorteil gegenüber anderen Baumarten beschert. In den ersten Jahren können sie etwa einen Meter pro Jahr wachsen! Doch in direkter Konkurrenz zu anderen Baumarten wird die Birke leicht überschattet und somit verdrängt, da sich das Wachstum mit zunehmendem Alter verlangsamt.

Der sommergrüne, schnellwachsende Baum ist leicht an seiner auffälligen, schneeweißen Rinde zu erkennen. Verantwortlich für die weiße Rinde ist der Farbstoff Betulin. Die hell gefärbte Rinde reflektiert das Sonnenlicht gut und schützt den Baum dadurch gegen Überhitzung und Wasserverlust. Abgestorben löst sich die Borke in breiten Streifen ab.

Die Blätter der Birken sind wechselständig angeordnet, meist relativ klein und je nach Art herzförmig bis rundlich. Hängebirken bilden lockere, aufrechte Kronen, in denen die Enden der dünnen Zweige oft herabhängen.

Freistehende Birken können sich bereits in einem jungen Alter von etwa 10 Jahren vermehren. Weibliche und männliche Blüten stehen in grüngelben, hängenden Kätzchen, wobei die weiblichen Blüten durch den Wind bestäubt werden. Die reifen Früchte sind nur wenige Millimeter groß und besitzen eine pergamentdünne Flughaut. Sie werden durch den Wind kilometerweit verbreitet.

Aufgrund ihrer Strukturvielfalt stellen Reinwälder mit Birken wertvolle Lebensräume dar. Denn Birken dienen einer Vielzahl von Insekten und anderen Tieren als Lebens- oder Nutzraum. Mehr als  160  Insektenarten, darunter 118 Großschmetterlinge, haben  sich auf  Birken als  Nahrungsquelle  spezialisiert. Durch die lockere Kronenform der Birken dringt viel Licht bis zum Waldboden durch, sodass hier lichtbedürftige Gräser und Kräuter gedeihen, die als Nahrungsgrundlage für weitere Tiere dienen. Das schnell abbaubare Birkenlaub hat einen positiven Einfluss auf die Bodenqualität, denn es erhöht vor allem in reinen Nadelwäldern den pH-Wert des Bodens und fördert somit die Aktivität der Mikroorganismen.

Das zähe und elastische Birkenholz ist technisch sehr hochwertig und ist bestens geeignet für den Einsatz im Innenbereich wie z.B. zur Herstellung von Instrumenten, Möbeln oder auch Spielzeugen. Da das Holz anfällig für den Befall durch Pilze und Insekten sowie Witterungseinflüssen ist, ist der Einsatz im Außenbereich eingeschränkt.

Baumvorstellung: Die Douglasie

Die Douglasie (Pseudotsuga menziesii) gehört zur Familie der Kieferngewächse und kann bis zu 400 Jahre alt werden. Weltweit wird die Gattung der Douglasie (Pseudotsuga) durch sechs Arten vertreten, von denen zwei in Nordamerika und vier in Ostasien beheimatet sind.

In Nordamerika erreicht sie eine maximale Höhe von 100 Metern, in Europa bis ca. 60 Meter und zählt damit zu den höchsten Baumarten der Erde. Der Stammdurchmesser der nordamerikanischen Bäume kann 4 Meter, der der europäischen Vertreter einen Meter betragen.

In Europa starb die Douglasie im frühen Eiszeitalter (vor ca. 25 Millionen Jahren) aus. Doch ab Ende der 1820er Jahre wurde sie in England wieder in Parks und Gärten angepflanzt. In Folge dessen wurde sie in ganz Mitteleuropa zu forstwirtschaftlichen Zwecken eingeführt und verbreitet. Heutzutage ist die Douglasie aus forstwirtschaftlicher Sicht die wichtigste nicht europäische Baumart.

Die KüstendouglasieIn entwickelt sich in Mitteleuropa vor allem in niederen Lagen sehr gut. Bevorzugt auf grobkörnigen, tiefgründigen Böden mit mittlerem Nährstoffgehalt (Sand bis Lehm). Hier bildet sie ein dicht verzweigtes, tiefreichendes Wurzelsystem. Auf flachgründigen, dichten und staunassen Standorten kann sich jedoch nur ein flaches Wurzelwerk ausbilden und macht den Baum anfällig für Windwurf. Als Halbschattenbaumart meidet die sie sehr sonnige Standorte und beweist sich auf Brachflächen als wahre Pionierin. An die Wasserversorgung stellt die Douglasie geringere Anforderungen, auch wenn reichliche Niederschläge ihr Wachstum begünstigen. Doch im Gegensatz zur Fichte kann die Douglasie auch längere Dürreperioden ohne Schaden überstehen.

In der nördlichen Hemisphäre erscheinen zwischen April und Mai gelbliche oder rötliche Blüten, aus denen sich die etwa acht Zentimeter langen, rotbraunen und spindelförmigen Zapfen mit zahlreichen Schuppen als Früchte entwickeln. Diese fallen durch ihre weit herausragenden dreispitzigen Deckschuppen auf. In diesen reifen die Samen heran, bevor sie im Oktober abgegeben werden.

Die kegelförmige, schlanke Krone ähnelt der von Fichte und Tanne. Bei jungen Bäumen ist die Rinde grau bis olivgrün gefärbt und entwickelt im Laufe der Jahre einen dunklen, rotbraunen bis grau-schwarzen Farbton und tiefe Risse. Die flachen und weichen Nadeln der Douglasie erscheinen in gräulicher bis grünblauer Farbe, werden nur wenige Zentimeter lang und weisen an der Unterseite feine silbergraue Streifen auf. Werden sie zerrieben, verströmen sie einen intensiv-frischen, zitronen- oder orangenartigen Duft.

Douglasien beheimaten wenige Insekten und können daher kaum als Nahrungsquelle für überwinternde Vogelarten dienen. Das feste und widerstandfähige Holz ist im Bau vielfältig einsetzbar und daher auf dem Markt stark nachgefragt. Es ist tragfähig, langlebig und lässt sich gut imprägnieren. In der Forstwirtschaft ist die Douglasie unter anderem auch wegen ihrer Nadeln ein gern gesehener Baum. Denn die natürliche Zersetzung des Nadelstreus führt nicht zu einer Versauerung der Böden, wie dies bei Kiefern oder Fichten der Fall ist.

Im Hinblick auf die klimatischen Veränderungen und den damit einhergehenden Extremwetterereignissen, erweist sich die Douglasie vor allem durch ihre Anpassungsfähigkeit und Anspruchslosigkeit an ihre Umgebung manch heimischen Arten als überlegen.

Baumvorstellung: Die Edelkastanie

Die Edelkastanie (Castanea sativa), auch Ess- oder Echte Kastanie, gehört der Familie der Buchengewächse an, kann 150 bis 180 Jahre alt werden (in seltenen Fällen bis zu 500 Jahre) und eine maximale Höhe von 35 Metern erreichen.

Verbreitet ist sie heute in milden Gebieten West-, Süd-, und Mitteleuropas. Eine nördliche Grenze der geschlossenen Verbreitung lässt sich von Nordspanien, Frankreich über die Balkanhalbinsel bis nach Vorderasien ziehen. Bei uns in Deutschland ist sie in einem Gürtel zwischen dem Taunus im Osten und dem Saarland im Westen relativ häufig zu finden. Da die Edelkastanie in der Regel ein ganzjährig mildes Klima benötigt, liegen die Schwerpunkte der Verbreitung in Regionen mit klimatisch günstigen Bedingungen für den Weinbau sowie Bergtälern mit häufigen warmen Winden, wie zum Beispiel die Föhntäler an der Alpennordseite. Darüber hinaus wird die Edelkastanie gerne als Zierbaum in Park- oder Gartenanlagen gepflanzt.

Stachelige Fruchtbecher der Edelkastanie

Wie bereits erwähnt bevorzugt die Edelkastanie eher milde Gefilde, übersteht aber auch extreme Temperaturen von bis zu -25 Grad. Der wärme- und lichtliebende Baum benötigt lockere und tiefgründige sowie kalifreie, saure Böden und verträgt keine extremen Temperaturschwankungen und Spätfröste. Der Nährstoffbedarf der Edelkastanie ist gering. Zudem ist sie äußerst empfindlich gegenüber Spätfrösten. Auf der Alpensüdseite gedeiht sie bis etwa 1500 m ü. M., nördlich der Alpen höchstens bis 1000 m. ü. M.

Edelkastanien erreichen Höhen von bis zu 35 Metern und einen Stammdurchmesser von mehr als 2 Metern. Die mittelgroße und sommergrüne Halbschattenbaumart weist mit zunehmendem Alter eine hochgewölbte und breit ausladende Krone mit eher dicken, kurzen Ästen auf.Anfänglich ist ihre Rinde glatt und olivbraun und entwickelt sich im Alter zu einer netzförmigen, graubraunen, rissigen Borke. Die etwas ledrigen, zungenförmigen, stachelig spitzigen, wechselständigen 12 bis 30 Zentimeter lang gestielten Laubblätter sind sattgrün glänzend und am Blattrand gezähnt.

Männlichen Blütenstände der Edelkastanie

Etwa ab Anfang Juni beginnt die Blütezeit. Hier fallen vor allem die männlichen Blütenstände ins Auge, die in gelblich-weißen, bis 30 Zentimeter langen, perlschnurartig angeordneten und unangenehm riechenden Kätzchen herunterhängen.Aus den befruchteten Blüten entstehen braungelbe, stachelige 6 – 10 cm große stachelige Fruchtbecher, die bis zu drei braune Nüsse umschließen und im Herbst vom Baum fallen. Diese werden Kastanien oder Maronen genannt.

Reife Maronen

Auf den von ihr bevorzugten Böden ist die Edelkastanie ein sehr konkurrenzfähiger Baum und ist in der Lange viele andere Baum- und Straucharten zu verdrängen. Aufgrund ihrer Strukturvielfalt zählen lichte Wälder und Streuobstbestände mit Edelkastanien zu den wertvollsten Lebensräumen in Mitteleuropa. Sie dienen einer Vielzahl von Insekten und anderen Tieren als Lebens- oder Nutzraum. Zudem konnten an ihnen seltene Flechten und Moosarten nachgewiesen werden, die in Mitteleuropa zum Teil bereits als ausgestorben galten. Oft bieten insbesondere ältere Bäume Totholzbestände. Die vorhandenen Hohlräume dienen vielen Vögeln als Nist- und Lebensraum.

Die forstliche Bedeutung der Edelkastanie ist insgesamt eher gering. Doch im Zuge der globalen Klimaerwärmung und dem dadurch erforderlichen Waldumbau hin zu klimatisch angepassten Wäldern, wird sich die Bedeutung durch ihre Eigenschaft als wärmebeständiger Baum vermutlich erhöhen.

Was bedeutet naturnahe Waldbewirtschaftung?

Aus Sicht unseres Partners Landesforsten Rheinland-Pfalz, stellt das Konzept der naturnahen Waldbewirtschaftung die beste Strategie dar, um unsere Wälder zu schützen, ihre Leistungsfähigkeit für den Naturhaushalt zu bewahren und die Vielfältigkeit der Bedürfnisse von Waldnutzer:innen zu erfüllen. Aber was bedeutet das genau?

Ein ganz zentraler Aspekt ist das Arbeiten mit standortgerechten Baumarten. Diese wachsen nicht nur gut und stabil, sondern wirken sich auch positiv und ohne schädliche Einflüsse auf den Waldboden und andere Teile des Ökosystems aus. Daher setzen sich die Landesforsten dafür ein, Mischwälder mit einem hohen Anteil regionaltypischer Laubbäume zu schaffen.

Natürlich befinden sich auch Waldökosysteme in einem stetigen Wandel, wodurch auch die Pflege, Behandlung und Ernte der vorkommenden Baumarten den verschiedenen Phasen der Waldentwicklung angepasst werden muss.

Folgende Grundsätze kennzeichnen eine naturnahe Waldbewirtschaftung und das Verständnis einer ökologischen Waldentwicklung des Landesforsten Rheinland-Pfalz:

  • Verzicht auf Kahlschläge
  • Die Bewirtschaftung der Wildvorkommen wird verträglich für die Ökosysteme gestaltet: Seltene Wildarten werden gezielt gefördert, überhöhte Wildbestände werden auf ein Maß verringert, bei dem die Waldverjüngung aller Baum- und Straucharten ohne Zaun möglich ist.
  • Die Bäume werden nach ihrer individuellen Reife geerntet, wenn sie dick und wertvoll sind.
  • Natürliche Verjüngung hat Vorrang vor Pflanzung, natürliche Wiederbewaldung wird unterstützt.
  • Waldböden werden nicht auf ganzer Fläche befahren.
    Wertvolle Waldränder werden ganz speziell behandelt.
  • Auf den Einsatz von Chemie wird zugunsten eines integrierten Waldschutzes weitgehend verzichtet.
  • Waldtypische Lebensräume (zum Beispiel Alt- und Totholz) und seltene Tier- und Pflanzenarten werden erhalten, gepflegt und entwickelt.
  • Das Netz der Naturwaldreservate, als Spiegel der natürlichen Entwicklung, wird wissenschaftlich betreut.

Baumpflanzungen im Frühjahr 2022

Wir freuen uns euch von unseren neusten Baumpflanzungen berichten zu können!

In Zusammenarbeit mit den Landesforsten Rheinland-Pfalz und unserem Partner Landal GreenParks wurden im Frühjahr 2022 von den Mitarbeitenden des Forstamtes Saarburg 5.000 Bäume ausgebracht! Die Pflanzungen vieler unterschiedlicher Baumarten fanden im Staatswald des Forstamtes Saarburg in den Forstrevieren Klink und Serrig statt.

Ergänzungspflanzungen von Ahorn in Wuchshüllen und Douglasien mit Einzelschutz

 

Auf einer durch Käfer- und Windwurf geschädigten Fläche wurden Ergänzungspflanzungen von Ahorn in Wuchshüllen und Douglasien mit Einzelschutz jeweils in Kleingruppen, sogenannten Klumpen, vorgenommen. Die Bäumchen wachsen nun zwischen Tannen- und Buchengruppen aus Vorausverjüngung.

In einem weiteren Waldabschnitt konnten Kleingruppen aus Rotbuchen und Weißtannen in den hier zu findenden älteren Fichtenbestand im Rahmen der Vorausverjüngung ausgebracht werden.

Weißtanne kurz vor dem Austrieb
Frisch ausgetriebene Rotbuche

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Bei der Vorausverjüngung werden noch intakte, aber labile reine Nadelwälder mit klimastabileren Mischbaumarten angereichert. Hierbei werden schattenertragende junge Bäumchen unter den Kronenschirm der Altbäume gepflanzt. In deren Schutz wächst dann ein Zwei-Generationen-Mischwald heran.

Auch unter älteren Fichten wurden Weißtannen als Vorausverjüngung in Kleingruppen ausgebracht. Geschützt werden die Jungbäume mit Drahthüllen und Vergällungsmittel.

Tanne mit zweierlei Schutz
Libanon-Zeder vor dem Austrieb

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Auf sogenannten Kalamitätsflächen wächst nun ergänzend junger Bergahorn zwischen schon etwas größeren Buchengruppen aus Vorausverjüngung. In einem anderen Abschnitt fand die Wiederaufforstung mit Douglasie, Bergahorn und Zedern statt. Weitläufige Borkenkäferflächen wurden mit verschiedenen Laubhölzern wie junge Traubeneichen, Esskastanien und Hainbuchen aufgeforstet.

Junge Esskastanie
Junge Traubeneiche

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Als Kalamitätsflächen bezeichnet man in der Forstwirtschaft und der Forstwissenschaft eine Massenerkrankung von Waldbeständen, die zu großflächigen Ausfällen führen kann und damit meist mit wirtschaftlichen Folgen verbunden ist.

Monokulturen und Altersklassenwälder sind verstärkt von Kalamitäten betroffen, die oft durch die massenhafte Vermehrungen von Pflanzenfressern ausgelöst wird. Aber auch Schneebruch oder Sturmschäden werden als Kalamitäten bezeichnet.

Deutscher Erdüberlastungstag 2022

Gestern, am 4. Mai 2022, war der deutsche Erdüberlastungstag. Das bedeutet, dass der Ressourcenverbrauch in Deutschland in diesem Jahr so hoch war, dass zu diesem Zeitpunkt bereits alle regenerierbaren Ressourcen verbraucht wurden, die uns die Erde für das ganze Jahr zu bieten hat.

Quelle: Global Footprint Network

 

Der frühe Termin verdeutlicht noch einmal, „wie sehr wir über dem Limit leben, unsere knappen Ressourcen vergeuden und wie schlecht wir unsere Ökosysteme weiter behandeln», so Christoph Heinrich, Vorstand Naturschutz beim WWF Deutschland.

Zum Vergleich: Im Jahr 2018 fiel der deutsche Overshoot Day auf den 2. Mai, 2019 und 2020 auf den 3. Mai, und 2021 auf den 5. Mai.

Die Gründe für den frühen Termin sind vielfältig, doch der weiterhin viel zu hohe Energieverbrauch, der hohe CO2-Ausstoß im Verkehr und in der Massentierhaltung sowie die Verunreinigung von Luft, Böden und Grundwasser spielen eine primäre Rolle.

Baumpflanzungen im Herbst 2021

Wir pflanzen weiter! Auch in diesem Jahr freuen wir uns, euch von unseren letzten Baumpflanzungen berichten zu können.

In Zusammenarbeit mit den Landesforsten Rheinland-Pfalz und unserem Partner Landal GreenParks wurden im Herbst 2021 von den Mitarbeitenden des Forstamtes Hochwald erneut 10.000 Bäume ausgebracht!

Pflanzung  in Kleingruppen (Klumpen) im Staatswald Beuren, Foto: Landesforsten RLP

Im Forstrevier Beuren wurden insgesamt 4.000 Buchen, 2.000 Hainbuchen und 2.000 Winterlinden im Staatswald gepflanzt. In einem anderen Waldabschnitt  des Forstreviers konnten 1.500 Buchen und 500 Hainbuchen in den hier zu findenden Fichtenbestand im Rahmen der Vorausverjüngung ausgebracht werden.

Wir wollen in den mittelalten, reinen Nadelholzbeständen eine Vorausverjüngung mit Laubholz (Schattbaumarten) etablieren, um damit aus den reinen Nadelholzbeständen im Laufe der Zeit Laub-/Nadel-Mischbestände entstehen zu lassen.

Pflanzaktion Herbst 2021, Foto: Landesforsten RLP

Bei dem Verfahren der Vorausverjüngung werden noch intakte, aber labile reine Nadelwälder mit klimastabileren Mischbaumarten angereichert. Hierbei werden schattenertragende junge Bäumchen wie beispielsweise Buchen, Hainbuchen und Winterlinden unter den Kronenschirm der Altbäume gepflanzt. In deren Schutz wächst dann ein Zwei-Generationen-Mischwald heran. Die Pflanzung erfolgt in Kleingruppen, so dass sich dazwischen weitere Baumarten von Natur aus ansamen können. Denn tierische Waldbewohner wie das Eichhörnchen oder der Eichelhäher verbreiten weitere Baumsamen auf natürlichem Wege. Sterben die Altbäume einmal ab oder werden geerntet, ist die neue zukunftsfähige Waldgeneration bereits vorhanden.

Oberstes Ziel unserer Pflanzaktionen ist auch weiterhin die langfristige Entwicklung standortgerechter, arten- und strukturreicher Mischwälder mit Bäumen verschiedener Alter, Höhe und Durchmesser. Dadurch werden die natürlichen Widerstandskräfte der Wälder bestmöglich gestärkt!

Flechten – Tiere, Pilze oder Pflanzen?

Oft leuchten sie gelb auf den Rinden einzelner Bäume, häufig sind sie eher unscheinbar: Flechten.

Als wahre Überlebenskünstler sind sie weder Tier noch Pflanze, sondern „Doppelwesen“ aus Algen und Pilzen. Somit bestehen sie aus zwei verschiedenen Organismen. Zahlreiche Schlauchpilze können nur in enger Verbindung mit lebenden Grün- oder Blaualgen existieren. Dabei leben sie in einer symbiotischen, somit für beide Arten nützlichen Lebensgemeinschaft. Der Pilz erhält von der Alge, die Fotosynthese betreibt, energiereiche Kohlenhydrate und im Gegenzug liefert der Pilz Wasser und Mineralsalze. Zudem schützt sie der Pilz durch Pigmentbildung vor starker Sonneneinstrahlung. Dadurch konnten die weltweit rund 25.000 Flechtenarten die rauesten Standorte besiedeln. Fast jede alte Mauer und Hauswand, die nicht regelmäßig gereinigt wird, wird nach einigen Jahren von Flechten besiedelt. Auch auf Rinden älterer freistehender Bäume kommen sie vor, seltener sind erdbewohnende Arten. Flechten wachsen im Wald sehr langsam, wodurch sie nur selten der Konkurrenz durch Pflanzen und Moosen gewachsen sind.

Aber welchen Stellenwert haben Flechten im Wald?

Flechten tragen einen ganz wesentlichen Teil zur biologischen Vielfalt von Waldökosystemen bei, indem sie die Bedingungen für andere Organismen verbessern. Sie dienen als eigener Lebensraum für Tiere, besiedeln Steinhabitate als Pionierarten, schützen Bäume vor Bakterien und Pilzen, bringen Wasser und Nährstoffe aus der Atmosphäre in das Ökosystem ein und dienen als Nahrungsquelle sowie Nistmaterial. Durch ihre Empfindlichkeit gegenüber ökologischen Veränderungen, eignen sie sich zudem als natürlicher Anzeiger für den Zustand unserer Wälder.

Es ist wichtig zu wissen, dass die meisten Flechtenarten relativ spezifisch an bestimmte Baumarten angepasst sind. Dies liegt darin begründet, dass sie die verschiedenen chemischen und physikalischen Eigenschaften des jeweiligen Substrats bevorzugen.  Der Verlust einer Baumart führt somit auch zum Absterben von Flechtenarten.

Schon heute sind durch die Luftverschmutzung ehemals weit verbreitete Rindenflechten seltener geworden und komplett aus den Ökosystemen verschwunden. Mehr als die Hälfte der heimischen Flechten werden laut Roter Liste als gefährdet eingestuft. Flechten benötigen daher eine stärkere Aufmerksamkeit als ihnen bisher zuteilwird.

Der Baum des Jahres 2022: Die Rotbuche

Bereits zum 34. Mal hat die Silvius-Wodarz-Stiftung den Baum des Jahres gekürt. Wie schon im Jahr 1990 geht der Titel 2022 an die Rotbuche (lat. Fagus sylvatica)! Erstmals erhält ein Baum diesen Titel damit zum zweiten Mal.

Rotbuchen galten lange als Hoffnungsträger für den klimastabilen Mischwald. Doch die Tatsache, dass auch sie zunehmend unter der klimabedingten Trockenheit leiden, gab für die Stiftung den Ausschlag, die Buche erneut ins öffentliche Blickfeld zu rücken.

Die konkurrenzstarke und mit enormer Wuchskraft ausgestattete Baumart ist mit einem Anteil von 16 Prozent die häufigste Laubbaumart in Deutschlands Wäldern und in ganz Mitteleuropa heimisch. Laut Aussage der Silvius-Wodarz-Stiftung ist die Rotbuche die am stärksten durch den Menschen zurückgedrängte Baumart in Deutschland. Erst seit etwa drei Jahrzehnten nehmen die Buchen in Deutschlands Wäldern langsam wieder zu. Sie kann eine Höhe von bis zu 45 Metern und einen Stammdurchmesser von 1,50 Metern erreichen. Unter optimalen Bedingungen kann sie etwa 350 Jahre alt werden. Die älteste Rotbuche in Europa steht in den Österreichischen Kalkalpen und ist 550 Jahre alt.

Die Namensgebung kann zu Missverständnissen führen, denn die Rotbuche weist keine roten bis schwarz-roten Blätter auf, wie einige Buchen in Parks, größeren Gärten und auf Friedhöfen. Dieser auffällige Baum ist die Blutbuche, eine kultivierte Varietät der Rotbuche. Der Name der Rotbuche, verweist auf ihr im Alter rötlich eingefärbtes Kernholz.

Markenzeichen sind ihr glatter, gerader Stamm mit silbergrauer Rinde und die langen rötlich-braunen Knospen an den Zweigen. Erst nach 20 Jahren bis 40 Jahren bringen Rotbuchen im Frühling Blütenstände hervor, aus denen sich bis zum Herbst Bucheckern entwickeln. Besondere Ansprüche an den Standort stellt die Buche nicht. Sie kommt auf allen Waldstandorten gut zurecht, außer in Auwäldern, Mooren, Sümpfen und auf sehr trockenen Böden. Rotbuchen gelten als standfest, hitzetolerant und klimaresilient. Doch seit einigen Jahren und verstärkt durch die vergangenen Dürresommer weisen auch Rotbuchenbestände verkahlte Kronen, Schädlingsbefall und Symptome komplexer Baumkrankheiten auf, die zum Absterben der Bäume führen können.

Die von 2018 bis 2020 anhaltende Trockenheit mit sommerlichen Hitzeperioden konnte wohl keine unserer Waldbaumarten unbeschadet überstehen. Von den vier Hauptbaumarten Fichte, Kiefer, Eiche und Buche hat es die Fichte laut Waldzustandsbericht der Bundesregierung mit Abstand am stärksten getroffen. Allein im Jahr 2020 sind über vier Prozent aller Fichten abgestorben. Dagegen wies die Buche mit ca. 0,3 Prozent die geringste Absterberate auf, wovon die meisten Bäume an sonnenexponierten Süd- und Südwesthängen auf Böden mit geringem Wasserspeichervermögen standen.

Die Silvius-Wodarz-Stiftung prophezeit der Rotbuche eine durchaus positive Zukunft, denn es spricht vieles dafür, dass die Buche ihren Platz in den Wäldern trotz der sich ändernden klimatischen Verhältnisse durchaus halten und auch erweitern kann: Sie ist fast in ganz Deutschland verbreitet, auf nassen bis hin zu trockenen Standorten, von den Bergen bis ins Flachland. Darüber hinaus gilt ihr genetisches Anpassungspotenzial als recht hoch und viele der Waldflächen, von denen sich die Fichte absehbar zurückziehen wird, stellen für Buchen gut geeignete Standorte dar. Somit ergeben sich gute Chancen, dass die Buche dort jetzt einen Teil ihres verlorenen Terrains zurückerobern wird.

Waldgebiet des Jahrs 2020/21 – Die Ivenacker Eichen

In diesem Jahr wurde bereits zum zehnten Mal das Waldgebiet des Jahres durch den Bund Deutscher Forstleute (BDF) ausgerufen. Wie bereits im letzten Jahr, fällt hier die Wahl auf die „Ivenacker Eichen“ in Mecklenburg-Vorpommern.

„Da durch die Corona-Beschränkungen in diesem Jahr die geplanten Veranstaltungen zum Waldgebiet des Jahres nicht stattfinden konnten, war es für den BDF ein Gebot der Fairness die Ivenacker Eichen auch im kommenden Jahr als ‚Waldgebiet des Jahres‘ zu betrachten, um die Einschränkungen dieses Jahres zu kompensieren.“ so BDF-Bundesvorsitzender Ulrich Dohle.

Das mit ca. 164 ha recht kleine Waldgebiet im Herzen Mecklenburg-Vorpommerns wurde vom BDF ausgewählt, weil es die Tradition des mittelalterlichen Hutewaldes mit dem deutschlandweit wohl einmaligen Ensemble „1.000-jähriger Eichen“ erlebbar macht. Das Waldgebiet mit den namensgebenden Ivenacker Eichen verkörpert in spezieller Weise die im Mittelalter vorherrschende Wirtschaftsform der Waldweide. Die Begriffe „Waldweide“ oder „Hutung“ (abgeleitet von „hüten“) beschreiben die historische Landnutzungsform.Hierbei wurde Nutzvieh wie Kühe oder Schweine zur Futtersuche in die Wälder getrieben, denn bis weit in das 19. Jahrhundert waren Eicheln und Bucheckern unverzichtbare Bestandteile des Viefutters. Durch den Verbiss der Tiere kam es zu einem prägenden Nebeneffekt: der so reduzierte Aufwuchs führte zu einem deutlich verringerten Konkurrenzdruck für Bäume wie die Eiche, sodass sich diese zu typischen Hudebäume mit massiven Stämmen, weit ausladenden und tiefhängenden Kronen und starken, verzweigten Ästen entwickeln konnten. So kam es, dass Hudewälder einen fast parkähnlichen Charakter mit einer Vielzahl von Einzelbäumen aufwiesen. Die ältesten Eichen weisen mittlerweile eine Höhe von über 35 Metern, einen Umfang von 11,7 Metern und ein Holzvolumen von 140 Kubikmetern auf.

Bei den Ivenacker Eichen steht heute die Darstellung und Entwicklung dieser historischen Waldnutzungsform im Mittelpunkt aller Maßnahmen und Angebote. Hierzu gehört, dass beispielsweise keine baumchirurgischen Maßnahmen durchgeführt und Schäden an den Wurzeln durch eine Abstandsbegrenzungen vermieden werden. So kann der Charakter des Hudewaldes gewahrt werden. Seit dem Ende der Waldweide wird der für das offene und lichte Waldbild wichtige Verbiss von Jungpflanzen vor allem von Damwild übernommen. Ursprünglich wurden die Tiere für Jagdzwecke des Adels in den Wald der Ivenacker Eichen angesiedelt. Seit einigen Jahren unterstützen auch Muffelschafe und die seltene und gefährdeten Schweinerasse Turopolje den Erhalt des Hudewaldes im Ivenacker Tiergarten.

Ohne Zweifel zählen die Ivenacker Eichen damit zu den ältesten Bäumen Deutschlands und besitzen eine besondere Symbolkraft. Mit seinen rund 1.000-jährigen Eichen ist der Hudewald einmalig und in Bezug auf seinen Natur- und Kulturwert besonders schützenswert. Die vor Ort tätigen Forstleute tragen in vorbildlicher Weise zusammen mit Partner:innen aus der Region dazu bei, die alte Waldbewirtschaftungsform lebendig zu erhalten und sichern zudem das wertvolle Ökosystem im Rahmen verschiedener Naturschutzstrategien und angepasster Waldwirtschaft.