Erneut hat sich der Bund Deutscher Forstleute (BDF) für ein “Waldgebiet des Jahres“ entschieden.

Die Auszeichnung „Waldgebiet des Jahres“ erhalten vorbildlich und in allen Bereichen nachhaltig bewirtschaftete Ökosysteme. Nachdem 2017 der Frankenwald das Rennen machte, wird der Titel in diesem Jahr an den Wermsdorfer Wald verliehen und geht somit erstmals in den Freistaat Sachsen.

Der Wermsdorfer Wald ist ein circa 5.100 ha umfassendes Waldgebiet im Nordosten des Forstbezirkes Leipzig und bildet in Sachsen die geographische Mitte zwischen der Residenzstadt Dresden und der Messestadt Leipzig. Die Landschaft rund um die namensgebende Stadt Wermsdorf wurde maßgeblich im Zeitalter des Pleistozäns (ca. 1,6 und 2,4 Mio. Jahre bis 10.000 Jahre vor heute) geformt. Sie ist durch Forst-, Land- und Fischereiwirtschaft geprägt und stellt einen repräsentativen Ausschnitt des Nordsächsischen Platten- und Hügellandes dar.

Laut BDF fiel die Wahl auf den Wermsdorfer Wald, „weil es hier in besonderer Weise gelingt, die forstliche Nutzung in Einklang mit dem Naturschutz und der Erholungsnutzung zu bringen“ (Bund Deutscher Forstleute 2018). Die Ansprüche an den Wald sind vielfältig: er dient als Erholungswald, als Schutzzone der biologischen Vielfalt, als Holzlieferant und als Arbeitsstätte. In direkter Nähe zu Leipzig stellt er eines der wenigen größeren zusammenhängenden Waldgebiete dar.

Charakteristisch für den Wermsdorfer Wald sind die markanten Eichen und Buchen, große Teichflächen, sowie eine große Vielfalt verschiedener Nutzungsfunktionen. Einerseits bietet er als großes, unzerschnittenes Waldgebiet den idealen Rückzugsraum für verschiedene, bedrohte und seltene Tierarten wie Seeadler, Schwarzstorch und Uhu. Die Kombination aus Wald und Wasserflächen stellt besonders für seltene Wasservögel und Amphibien ideale Lebensbedingungen dar. Zudem ist er ein wichtiger Wirtschaftsfaktor für die regionale Forst- und Holzbranche. Der Vergleich mit Daten aus den 1930er Jahren zeigt einen deutlichen Wandel der Baumartenverteilung: Der einst dominante Nadelholzanteil von 91 Prozent hat sich durch die Arbeit der Forstleute reduziert. Aktuell überwiegt der Laubholzanteil und liegt bei 51 Prozent. Dabei bilden Eichen, Buchen und Kiefern den Hauptanteil der Laubmischwälder.

Die Auszeichnung „Waldgebiet des Jahres“ gilt nicht nur den Wäldern selbst, sondern auch im Besonderen den Waldeigentümern und Forstleuten vor Ort, die durch ihre Arbeit die gesellschaftlichen Ansprüche an den Wald in Einklang bringen und so ein ausgeglichenes Zusammenspiel zwischen Naturschutz und Waldwirtschaft fördern. „Die Forstleute des Wermsdorfer Wald bewirtschaften „ihren“ Wald naturnah und verantwortungsvoll und sorgen mit zahlreichen Partnern für den nachhaltigen Schutz, eine sorgfältige Pflege und ermöglichen so die vielfältige Nutzung“, sagt Ulrich Dohle, Bundesvorsitzender des BDF. Darüber hinaus sei „das bereits jahrzehntelange Engagement für den Waldumbau von Nadel- zu Laubholz, der Einsatz von regionalen Dienstleistern sowie der Absatz des Holzes vorwiegend vor Ort“ besonders bemerkenswert.

Der Wermsdorfer Wald ist ein schönes Beispiel dafür, dass eine zukunftsorientierte, integrative Forstwirtschaft die unterschiedlichen Ansprüche an den Wald vereinen kann und das Ökosystem Wald nachhaltig schützt.

Kommentar