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Kiefern – die Meister der Anpassung

Die Waldkiefer ist eine der stressresistentesten heimischen Baumarten und in der Standortwahl genügsam und recht anspruchslos. Daher findet man sie in den unterschiedlichsten Regionen Mitteleuropas: auf extrem sauren und feuchten Moorböden, auf sandig-trockenem Grund, in heißen sowie in frostig kalten Klimazonen. Zudem sind Kiefern durch ihre Samen, welche mit speziellen Drehflügeln ausgestattet sind, Meister der Verbreitung. Der kleine leichte Samenkörper wird während des Fluges in Rotation versetzt, wodurch er mehrere Kilometer weit fliegen kann. Die dichte Oberfläche der Kiefernnadeln verhindert die übermäßige Wasserverdunstung und führt somit zu einer optimalen Anpassung an Trockenheit.

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Trotz dieser Eigenschaften kommt die Kiefer nur recht spärlich in unseren Gefilden vor, denn der Nadelbaum hat besonders in der Keimungs-, und Jugendphase ein hohes Lichtbedürfnis. Hierin liegt die entscheidende Schwachstelle der Kiefer, welche zu einer Konkurrenzschwäche gegenüber anderen Baumarten führt. Denn im Schatten anderer Bäume gibt es für die Kiefer keine Überlebenschance. Gleichzeitig benötigt sie zur Keimung weitgehend offene, freie Bodenstellen, was bedeutet, dass Streu-, oder Humusschichten eine gelungene Ansiedlung verhindern.

Aus diesem Mix an Eigenschaften wird ersichtlich, warum sich Kiefern häufig an exponierten, konkurrenzarmen Standorten ansiedeln und sie oft nach Stürmen oder Bränden als Pioniergesellschaften in Erscheinung treten. Die Kieferkeimlinge wachsen rasch und können zumindest kurzzeitig an den neu geschaffenen Standorten dominieren, auf denen die Konkurrenz durch natürliche äußere Einflüsse zurückgedrängt wurde.

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Doch ungeachtet ihrer recht kargen Verbreitung spielen Kiefernbäume eine wichtige Rolle für den Artenschutz und die Biodiversität. Aufgrund der lichten Kronen dringt viel Licht bis ins Unterholz vor und schafft optimale Wuchsbedingungen für eine Vielzahl anderer, oft bedrohter Pflanzen wie das Heideröschen oder die Felsenschaumkresse.

Die Kiefernwald-Gesellschaften zählen heute zu den artenreichsten Vegetationstypen in Mitteleuropa. Für einige Moosarten, Flechten, krautige Gewächse und gefährdete Pilzarten stellt die Kiefer einen essentiellen Teil des Lebensraumes dar. In Deutschland sind mittlerweile nahezu alle natürlichen Standorte der Kiefer gesetzlich geschützt. Denn selbst die stresstolerante Kiefer ist akut gefährdet und könnte ohne die notwendigen Schutzmaßnahmen aus den heimischen Wäldern verschwinden: allein zwischen 2002 und 2012 sind 85.000 Hektar Kiefernwald verloren gegangen.

Die Schüchternheit der Bäume

Wusstet ihr, dass Bäume schüchtern sein können?

Nicht erst seit dem Buch „Das geheime Leben der Bäume“ von Peter Wohlleben wissen wir, dass Bäume und andere Pflanzen sehr lebendige und komplexe Lebewesen sind, die miteinander kommunizieren und sich aktiv gegen Umwelteinflüsse (z.B. Fressfeinde) wehren.

Doch wissenschaftliche Untersuchungen beschäftigen sich bereits seit den 1920er Jahren mit einer anderen besonderen sozialen Eigenschaft der Bäume.

Denn vielleicht ist es euch schon aufgefallen: Im dichten Blätterdach des Waldes halten viele Baumarten Abstand zum Nachbarn. Im Englischen wird das Phänomen Crown shyness genannt, die „Kronen-Schüchternheit“. Die Kronen der Bäume halten höflich Abstand zueinander und breiten ihr Blätterdach nur so weit aus, dass sie ihren Nachbarn nicht berühren. Doch was ist der Grund für diese Zwischenräume?

Quelle: Wikipedia
Quelle: Wikipedia

Es mag zu bezweifeln sein, dass der wahre Grund dieses Phänomens tatsächlich in der Schüchternheit der Bäume liegt. Über die genaue Ursache gibt es verschiedene Theorien: Einige Experten gehen davon aus, dass die Bäume Verschattung vermeiden wollen und daher das Wachstum der äußeren Zweige nur so lange fortführen, bis sie sich den Blättern des Nachbarn nähern. Andere vermuten, es handle sich um eine reine Schutzmaßnahme gegen fressende Insektenlarve.

Eine weitere Gruppe von Forschern führt den gleichmäßigen Abstand zwischen den einzelnen Baumkronen auf Berührungen bei Wind zurück. Begründet wird diese Theorie mit der These, dass die Bäume ihr Wachstum als Schutz vor größeren Schäden einstellen, wenn sie mit ihren äußeren Zweigen bei stärkerem Wind mit ihren Nachbarn in Berührung kommen.

Quelle: Wikipedia
Quelle: Wikipedia

Für diese These liegen zudem bereits spannende wissenschaftliche Ergebnisse vor: In Mischwäldern haben Forscher das Verhalten von Hainbuchen, Rotbuchen, Eschen und Linden untersucht und beobachtet, dass die verschiedenen Arten differenzierte Verhaltensweisen zeigen und unterschiedlich empfindlich auf Berührung reagieren: So halten die Kronen der Eschen und Buchen einen Mindestabstand von einem Meter zueinander. Buchen und Linden kommen sich währenddessen sehr viel näher.

So scheinen auch Bäume unterschiedliche Sympathien füreinander zu hegen!

Ausruhen. Abschalten. Auftanken.

Ein Waldspaziergang an der frischen Luft tut gut, das spürt man instinktiv. Den Heilkräften des Waldes wird tatsächlich eine abhärtende, beruhigende und aktivierende Wirkung auf den Menschen zugesprochen. Daran hat die Waldluft einen großen Anteil, denn laut verschiedener Studien hebt alleine der bloße Aufenthalt im Wald unsere Stimmung und fördert die Entspannung. Dass die Waldluft eine gesundheitsfördernde Wirkung mit sich bringt wird schon lange vermutet und im Jahr 2004 konnten Wissenschaftler in einem medizinischen Experiment die wohltuende Auswirkung des sogenannten „Waldbadens“ auch wissenschaftlich nachweisen.

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Das Waldbaden stammt aus Japan (jap. Shinrin Yoku) und wird auch in Europa in den letzten Jahren immer bekannter und beliebter. 1982 prägte das japanische Ministerium für Landwirtschaft, Forst und Fischerei den Begriff des „Shinrin Yoku“. Ins Deutsche übersetzt bedeutet es “Baden in der Waldluft” oder auch „Waldbaden“. In Japan zählt Waldbaden mittlerweile offiziell zur Gesundheitsvorsorge und stellt eine amtliche Anweisung aus Gesundheitsgründen dar.

Die Gründe hierfür sind vielfältig. Studien haben erwiesen, dass ein Aufenthalt im Wald eine positive Stimulation auf unser Immunsystem mit sich bringt. Stress und depressive Stimmungen, welche häufig als moderne „Zivilisationsschäden“ gelten, werden verringert, sodass das Waldbaden unser physisches und psychisches Wohlergehen fördert. Jeder Atemzug im Wald führt zu einer Aufnahme jener bioaktiven Substanzen, die von den Bäumen und Pflanzen an die Luft abgegeben werden. Diese gasförmigen Substanzen dienen eigentlich der pflanzlichen Kommunikation und gehören in die Stoffgruppe der sogenannten Terpene. Wissenschaftliche Experimente haben gezeigt, dass die Aufnahme der Terpene über die Lunge in unser Blutkreislaufsystem zu einer deutlichen Steigerung von Aktivität und Anzahl der natürlichen Killerzellen im Blut des Menschen führt und somit eine positive Wirkung auf unser Immunsystem hat.

So könnte man die Waldluft auch als „Medizin zum Atmen“ bezeichnen – und das ganz ohne Rezept.

Das Waldgebiet des Jahres 2018: Wermsdorfer Wald

 

Erneut hat sich der Bund Deutscher Forstleute (BDF) für ein “Waldgebiet des Jahres“ entschieden.

Die Auszeichnung „Waldgebiet des Jahres“ erhalten vorbildlich und in allen Bereichen nachhaltig bewirtschaftete Ökosysteme. Nachdem 2017 der Frankenwald das Rennen machte, wird der Titel in diesem Jahr an den Wermsdorfer Wald verliehen und geht somit erstmals in den Freistaat Sachsen.

Der Wermsdorfer Wald ist ein circa 5.100 ha umfassendes Waldgebiet im Nordosten des Forstbezirkes Leipzig und bildet in Sachsen die geographische Mitte zwischen der Residenzstadt Dresden und der Messestadt Leipzig. Die Landschaft rund um die namensgebende Stadt Wermsdorf wurde maßgeblich im Zeitalter des Pleistozäns (ca. 1,6 und 2,4 Mio. Jahre bis 10.000 Jahre vor heute) geformt. Sie ist durch Forst-, Land- und Fischereiwirtschaft geprägt und stellt einen repräsentativen Ausschnitt des Nordsächsischen Platten- und Hügellandes dar.

Laut BDF fiel die Wahl auf den Wermsdorfer Wald, „weil es hier in besonderer Weise gelingt, die forstliche Nutzung in Einklang mit dem Naturschutz und der Erholungsnutzung zu bringen“ (Bund Deutscher Forstleute 2018). Die Ansprüche an den Wald sind vielfältig: er dient als Erholungswald, als Schutzzone der biologischen Vielfalt, als Holzlieferant und als Arbeitsstätte. In direkter Nähe zu Leipzig stellt er eines der wenigen größeren zusammenhängenden Waldgebiete dar.

Charakteristisch für den Wermsdorfer Wald sind die markanten Eichen und Buchen, große Teichflächen, sowie eine große Vielfalt verschiedener Nutzungsfunktionen. Einerseits bietet er als großes, unzerschnittenes Waldgebiet den idealen Rückzugsraum für verschiedene, bedrohte und seltene Tierarten wie Seeadler, Schwarzstorch und Uhu. Die Kombination aus Wald und Wasserflächen stellt besonders für seltene Wasservögel und Amphibien ideale Lebensbedingungen dar. Zudem ist er ein wichtiger Wirtschaftsfaktor für die regionale Forst- und Holzbranche. Der Vergleich mit Daten aus den 1930er Jahren zeigt einen deutlichen Wandel der Baumartenverteilung: Der einst dominante Nadelholzanteil von 91 Prozent hat sich durch die Arbeit der Forstleute reduziert. Aktuell überwiegt der Laubholzanteil und liegt bei 51 Prozent. Dabei bilden Eichen, Buchen und Kiefern den Hauptanteil der Laubmischwälder.

Die Auszeichnung „Waldgebiet des Jahres“ gilt nicht nur den Wäldern selbst, sondern auch im Besonderen den Waldeigentümern und Forstleuten vor Ort, die durch ihre Arbeit die gesellschaftlichen Ansprüche an den Wald in Einklang bringen und so ein ausgeglichenes Zusammenspiel zwischen Naturschutz und Waldwirtschaft fördern. „Die Forstleute des Wermsdorfer Wald bewirtschaften „ihren“ Wald naturnah und verantwortungsvoll und sorgen mit zahlreichen Partnern für den nachhaltigen Schutz, eine sorgfältige Pflege und ermöglichen so die vielfältige Nutzung“, sagt Ulrich Dohle, Bundesvorsitzender des BDF. Darüber hinaus sei „das bereits jahrzehntelange Engagement für den Waldumbau von Nadel- zu Laubholz, der Einsatz von regionalen Dienstleistern sowie der Absatz des Holzes vorwiegend vor Ort“ besonders bemerkenswert.

Der Wermsdorfer Wald ist ein schönes Beispiel dafür, dass eine zukunftsorientierte, integrative Forstwirtschaft die unterschiedlichen Ansprüche an den Wald vereinen kann und das Ökosystem Wald nachhaltig schützt.

Der Eichenwald – Ein artenreiches Biotop

Unser letzter Blogeintrag widmete sich den deutschen Buchenwäldern, der dominantesten heimischen Laubbaumart. Neben den Buchen zählt auch die Eiche zu den wichtigsten Wald bildenden Laubhölzern in unseren Gefilden. Europaweit sind 24 Eichenarten heimisch, von denen nur zwei deutlich dominieren: die Stiel-, und die Traubeneiche.

Eichen sind beständige und robuste Bäume, von denen viele 400 bis 700 Jahre oder im Einzelfall bis zu 1000 Jahre alt werden können. Das durchschnittliche Alter einer Eiche in deutschen Wäldern liegt bei 102 Jahren. Zum Vergleich: Buchen werden im Schnitt 100 und Tannen 96 Jahre alt. Doch nicht nur ihr hohes Alter, sondern auch die Wuchshöhe ist erstaunlich. Eine Eiche wächst im Durchschnitt zwischen 25 und 40 Meter hoch, in seltenen Fällen sogar bis zu 60 Meter, wobei ihr Stammdurchmesser bis zu 3 Meter erreichen kann.

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Ebenso wie die Buchen, sind auch Eichen anpassungsfähige Bäume, die sich vorzugsweise dort behaupten können, wo es andere Baumarten eher schwer haben. Beispielweise auf sehr nassen, schlecht belüfteten Böden, an trockenen, warmen Hängen, auf saurem Grund oder auch in niederschlagsarmen Regionen. Der entscheidende Grund hierfür liegt in der hohen Lichtbedürftigkeit der Eichen. Denn bei zu hoher Konkurrenz und Beschattung durch andere Baumarten, können die Eichen ihren Bestand nur schwer halten oder ausbreiten. Dadurch sind die Bäume gezwungen sich eine eigene Nische zu suchen.

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Trotzdem tritt die Eiche oft gemeinsam mit anderen Baumarten auf und bildet Mischwälder, in denen auch Buchen, Birken oder Ahorn-Arten wachsen. Gerade durch diese Vielfalt zählen Eichenwälder zu den artenreichsten Biotopen überhaupt, denn sie bieten zahllosen Tier-, und Pflanzenarten einen Lebensraum und leisten hierdurch einen bedeutenden Beitrag für die hiesige Artenvielfalt. Wie kein anderer Baum stellen Eichen für unzählige Vögel, Insekten und auch Kleinorganismen sowohl Habitat als auch Nahrungsquelle dar. Besonders deutlich wird dies Anhand einiger Beispiele: über 100 Käferarten, rund 400 Schmetterlingsarten und Hunderte weitere Insektenspezies leben direkt oder indirekt von der Eiche. Zudem gibt es unter den Pilzen, Flechten und Moosen viele Spezialisten, die zum Teil ausschließlich auf den Blättern oder der Borke der Eichen überleben können. Viele Tiere ernähren sich darüber hinaus von den extrem nahrhaften Eicheln, unter anderem Wildschweine, Eichelhäher oder Siebenschläfer. Die ersten keimfähigen Früchte können die Bäume jedoch erst im Alter von rund 60 Jahren bilden.

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Der besondere Wert der heutigen Eichen, und Eichenmischwälder in Deutschland gründet hauptsächlich in ihrer hohen Bedeutung für die biologische Vielfalt. Einige dieser Lebensräume sind nach der europäischen Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie (FFH-Richtlinie) geschützt und sollen so erhalten werden.

Die Vielfalt unserer Wälder

Wälder bedecken fast ein Drittel der Fläche Deutschlands. In den etwa 11,4 Millionen Hektar Wald wachsen rund 90 Milliarden alte und junge Bäume. Auch wenn viele Wälder aus der Ferne ähnlich anmuten, haben sich in unterschiedlichen Lagen eigene Waldtypen herausgebildet, in denen meist bestimmte Baumarten dominieren.

Kein anderer Laubbaum kommt in deutschen Wäldern so häufig vor, wie die Buche. Mit einem Anteil von 15 Prozent ist die Buche der dominanteste heimische Laubbaum und zählt gleichzeitig zu den derzeit erfolgreichsten Pflanzenarten Europas.

Buchen sind konkurrenzstarke und sehr anpassungsfähige Bäume, die unter verschiedensten Standortbedingungen gedeihen können. Im Hinblick auf den Nährstoffgehalt und die Feuchtigkeit des Bodens sowie die klimatischen Bedingungen, tolerieren Buchen weite Spannbreiten und sind somit in der Lage, sich im ökologischen Wettbewerb gegen viele andere Baumarten durchzusetzen. Ohne menschliche Eingriffe wären sogar bis zu 75 Prozent des deutschen Waldes von Buchen bedeckt.

Doch trotz ihrer Dominanz lässt sie auch anderen Spezies genügend Lebensraum, sodass sich Buchenwälder zu weltweit einzigartigen, sehr artenreichen Ökosystemen entwickeln konnten. Je nach Topografie, Klima und Bodenbeschaffenheit sind in Buchenmischwäldern auch viele andere Baumarten wie Stieleichen, Tannen oder Bergahorn zu finden. Die botanische und faunistische Vielfalt in Buchenwäldern ist beeindruckend: neben knapp 200 Blütenpflanzen, wurden rund 6.800 Tierspezies in Buchenwäldern nachgewiesen, darunter 27 Säugetier-, 70 Vogel-, 380 Würmer- und Tausende von Insektenarten.

 

Buchenwald
Buchenwald

Ein alter Buchenwald wirkt nahezu „aufgeräumt“, denn am Boden zwischen den bis zu 35 Meter hohen Bäumen entfaltet sich nur wenig Unterwuchs. Der recht kahle Waldboden ist ein Indikator für die ausgeprägte Konkurrenzstärke der Buchen, deren Baumkronen in den Sommermonaten ein dichtes Blätterdach bilden. Selbst bei intensivem Sonnenschein dringt nur wenig Licht bis ins Unterholz vor, denn die Blätter nutzen einen Großteil des Sonnenlichtes zur Photosynthese – nur knapp 3 Prozent erreichen den Waldboden. Da nur wenige Pflanzenarten mit diesen Lichtverhältnissen zurechtkommen, setzen sich im Unterwuchs der Buchenwälder nur einige Spezialisten durch. Dies sind meist krautartige Pflanzen, welche die kurze Zeit im Frühjahr nutzen, in der die Buchenblätter noch nicht ausgetrieben sind, die Tage aber bereits länger und wärmer werden. Zu diesen Frühblühern und Vorboten des Frühlings zählen unter anderem Schneeglöckchen, Bärlauch, Krokusse und Buschwindröschen.

Die bemerkenswerte Biodiversität des Ökosystems Buchenwald und dessen wichtige Rolle im Artenerhalt, veranlasste die UNESCO 2011 dazu, fünf naturbelassene deutsche Buchenwälder in die Liste des Weltnaturerbes aufzunehmen.

Der Baum des Jahres 2018

Das alte Jahr neigt sich dem Ende und 2018 steht vor der Tür. Bereits am 26. Oktober 2017 wurde mit der Ess-Kastanie (Castanea sativa) der „Baum des Jahres 2018“ ausgerufen. Die Esskastanie ist der 30. Baum des Jahres, die Aktion gibt es seit 1989.

Diese Entscheidung der „Baum des Jahres Stiftung“ mag überraschen, denn die Ess-Kastanie sticht einem in Deutschlands Wäldern nicht unbedingt ins Auge. Als Parkbaum findet man sie bundesweit vor allem in Parkanlagen und Gärten, sowie in Weinbaugebieten wie der Pfalz.

„Die Esskastanie hat eine recht junge Geschichte in unseren Breiten“, erklärt Deutschlands Baumkönigin Anne Köhler bei der traditionellen Pflanzung des Jahresbaums in Berlin. Sie gelte zwar nicht als heimische Baumart, gehöre aber zumindest in Südwestdeutschland längst in die Kulturlandschaft. Wo sie wächst überrascht sie mit praktischer und kulinarischer Vielseitigkeit und nicht zuletzt mit ihrer schönen Blütenpracht.

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Ess-Kastanien können bis zu 30 Meter hoch und mehrere Hundert Jahre alt werden. Im Gegensatz zur bekannteren Rosskastanie, die zu den Seifenbaumgewächsen gehört, ist die Baumart eng mit Buchen und Eichen verwandt.

Wie der Baum nach Deutschland kam, ist nicht genau überliefert. Bereits die Griechen pflanzten den Baum im Mittelmeerraum an, in der Bronzezeit hatten sich die Anbaugebiete bis nach Südfrankreich ausgebreitet. Doch erst die Römer brachten die Ess-Kastanie vor rund 2000 Jahren über die Alpen nach Germanien und erkannten die hier recht günstigen botanischen Voraussetzungen. Sie etablierten die Ess-Kastanie vor allem entlang von Rhein, Nahe, Mosel und Saar. Für den Weinbau ein Glücksfall, denn das gegen Verrottung erstaunlich resistente Kastanienholz bot das ideale Material für die Fertigung von Rebstöcken. Auch für den Hausbau, die Herstellung von Fassdauben oder als Brennholz war das Holz brauchbar.

Noch bedeutsamer aber wurden die Früchte der Ess-Kastanie, die zu den Nüssen zählen, für die Ernährung der Bevölkerung und als Vorratsreserve. Mit ihrem hohen Stärkegehalt, geringem Fettanteil und süßlichem Geschmack, waren die Früchte nach Missernten oft eine lebensrettende Mahlzeit. Die getrockneten Früchte lassen sich zudem zu Mehl mahlen und stellen eine gute, glutenfreie Weizenalternative dar. Somit ist das Ess-Kastanienmehl auch für Allergiker geeignet und könnte in Zeiten zunehmender Lebensmittelunverträglichkeiten eine Art Renaissance erleben.

Auch wenn die Baumart in unseren Gefilden nicht heimisch ist, kommt sie gut mit den klimatischen Bedingungen der mittleren Breiten zurecht. Eine wärmeresistente und anpassungsfähige Baumart ist grade in Zeiten des Klimawandels von hoher Bedeutung, sodass aktuell über die Eignung der Ess-Kastanie als „Klimaretter“ und Zukunftsbaumart diskutiert wird. Bereits seit einigen Jahren laufen die Forschungen auf Hochtouren, um zu erfahren, unter welchen Bedingungen die Ess-Kastanie auch in Wäldern qualitativ hochwertiges Holz für langlebige Bau- und Möbelholzprodukte liefern könnte.

Baumpflanzung im Nationalpark Hunsrück-Hochwald

Die Verhandlungen über den Klimawandel und dessen Folgen auf der Weltklimakonferenz COP23 in Bonn endeten am 17. November. Die deutsche Forstwirtschaft hat schon vor einiger Zeit den Kampf für klimastabile Wälder durch die Pflanzung stabiler Mischbaumarten aufgenommen. Ziel ist es, dadurch das Schadensrisiko für den Wald zu minimieren. Nachhaltige und klimastabile Wälder der Zukunft bestehen aus verschiedenen Baumarten, beispielsweise aus dem heimischen Arten Eiche, Buche oder Weißtanne, die besser an die künftigen Klimabedingungen angepasst sind.

Auch die großflächigen Nadelwälder des Nationalpark Hunsrück-Hochwald sind durch die verheerenden Folgen des Klimawandels gefährdet und durch eine Reihe von Risikofaktoren bedroht. Um diese Wälder nachhaltig zu sichern und zu stabilisieren, lösen die MitarbeiterInnen des Forstamtes Saarburg mit ihrer Arbeit die bisher überwiegend durch Monokultur geprägte Waldregion, durch einen wertvollen Mischwald aus Nadel- und Laubbäumen ab. Bereits seit einigen Jahren werden hier heimische Laubbäume in den Schatten der zum Teil bereits 30-40 m hohen Nadelbäume gepflanzt.

Das Projekt „Baum geben“ ist stolz darauf, dass aktuell im Rahmen des Projektes in einem abgegrenzten Waldareal des Forstreviers Klink (Raum Mandern-Waldweiler) 5.500 Buchen-Jungpflanzen unter den „Schirmen“ der Baumkronen eines rund 70 Jahre alten Douglasien-Waldes ihre neue Heimat finden. Diese „Wildlinge“ sind zweijährige Laubbäumchen, aktuell noch kleiner als 100 cm.

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Die Wahl fiel bewusst auf diese Baumart, denn die Buche ist die einzige Laubbaumart, die auch im Schatten der Altbäume mit wenig Sonnenlicht im ausreichenden Maße wachsen kann. Die aktuell ausgebrachten Jungpflanzen sind Meister der Anpassung und in der Lage, schnell auf neue Standortbedingungen zu reagieren, sollte der Schirm der darüberstehenden Baumkronen durch Stürme, Pilz- oder Borkenkäferbefall zerstört werden. Indem sie ihre eigenen Laubblätter wie „Sonnensegel“ ausbreiten, sind sie auch kurzfristig in der Lage, sich der neuen Situation anzupassen.

Buchenzweig
Buchenzweig

Die Vorteile der Baumpflanzungen sind vielfältig: Neben der Erhöhung der Artenvielfalt und der Biodiversität des Ökosystems Wald, kann hierdurch auch gewährleistet werden, dass die kargen Böden des Hunsrücks auf lange Sicht mit Wald bedeckt sind und die wichtigen Funktionen der Wälder gesichert werden. Diese reichen vom Erosionsschutz der Waldböden, über die Funktion der Wasserspeicherung und -filterung, bis zur Erhaltung des Lebensraumes für eine Vielzahl von Tier- und Pflanzenarten.

Unser Wald ist sowohl Klimaschützer als auch Klimaopfer zugleich, denn mit den Änderungen des Weltklimas kommt es vermehrt zu Wetterextremen und dem Auftreten neuartiger Baumkrankheiten, wodurch einzelne Baumarten besonders gefährdet sind. Zunehmender Schädlingsbefall ist eine weitere große Herausforderung für die Forstleute. Die Nadelbäume verfügen über ein flaches Wurzelwerk, wodurch die Anfälligkeit für Sturmschäden dieser Baumarten besonders hoch ist. Parallel dazu bevorzugen sie eine kühle, feuchte Witterung. So wird deutlich, dass Nadelbäume dem Klimawandel zuerst zum Opfer fallen. Denn „Bäume sind ortsfest und sehr langlebig. Sie können sich weder kurzfristig an neue Umweltbedingungen anpassen noch durch Flucht reagieren. Der Klimawandel ist keine Fiktion, er ist vor Ort in unserem Wald angekommen“, erklärt Förster Dietmar Schwarz vom Forstamt Saarburg. Wenn nun einzelne Baumarten durch externe Einflüsse stark leiden oder ausfallen, können im besten Fall auch kurzfristig andere Baumarten diese Lücken ausfüllen.

Die Baumpflanzungen sichern die Erholungsfunktion des Waldes und dessen gesundheitsfördernden Effekte für die Menschen. Für unseren Projektpartner Landal GreenParks stellen die ausgedehnten Wälder des Hunsrücks einen wichtigen Standortfaktor, insbesondere für den Landal Hochwald dar.

Das Waldgebiet des Jahres 2017: Der Frankenwald

Nachdem dem Wald und den Forstleuten im „Internationalen Jahr der Wälder 2011“ große Aufmerksamkeit geschenkt wurde, kam der Wunsch auf, diese positiven Botschaften auch darüber hinaus zu transportieren. So entwickelte der Bund Deutscher Forstleute (BDF) die Idee, jährlich ein „Waldgebiet des Jahres“ zu ernennen, mit dem Ziel, mehr Aufmerksamkeit für Wald und Forstleute zu erlangen.

Der BDF, die Vertretung der Forstleute in Deutschland, hat sich im Jahr 2017 für den Frankenwald entschieden, „da dort in besonderer Weise die forstliche Nutzung in Einklang mit dem Naturschutz und der touristischen Nutzung gebracht wird“ (Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft).

Der Frankenwald ist ein 300 bis rund 800 m hohes und 925 km² großes deutsches Mittelgebirge im Nordosten Frankens (nördliches Bayern). Er weist 52.000 ha Wald aus wird von den Landschaften Vogtland, Fichtelgebirge, Obermaintal, Coburger Land und dem Thüringer Wald eingegrenzt. Kleine Teile gehören zum Bundesland Thüringen.

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Mehr als die Hälfte seiner Fläche von über 100.000 Hektar ist bewaldet, somit liegt der Waldanteil im Frankenwald mit ca. 50 %, erheblich über dem bayerischen Durchschnitt von 35 %. Die Baumartenverteilung im Frankenwald unterteilt sich heute auf 78% Fichte, 12% Buche, 2% Tanne und 8 % andere Baumarten (Bund Deutscher Forstleute). Durch frühe Nutzungen des Holzreichtums des Frankenwaldes stellt die aktuelle Verteilung eine deutliche Veränderung der ursprünglichen Baumartenzusammensetzung der Wälder dar. So ist die Bedeutung der Fichte geschichtlich gewachsen, denn vor dem Eingriff des Menschen war diese eine hier eher seltene Baumart. Zurückzuführen ist dies auf die wirtschaftliche Verwendbarkeit der Fichten.

Da viele der hier heimischen Tier- und Pflanzenarten möglichst vielfältige und naturnahe Wälder mit einem hohen Anteil an Biotopbäumen als Lebensraum bevorzugen, haben sich die Forstleute der Region den Erhalt und die Erweiterung solcher Wälder im Frankenwald zum Ziel gesetzt.

Heutzutage ist der Frankenwald zum größten Teil Naturpark und damit geschützte Natur- und Kulturlandschaft. Im Jahr 1973 wurde der 102.000 ha große Naturpark Frankenwald gegründet.

Charakteristisch für den Naturpark Frankenwald ist ein „reizvoller Dreiklang aus gerodeten Hochflächen, bewaldeten Hängen und romantischen Wiesentälern. Dabei nehmen die weiten Wälder die Hälfte seiner Fläche ein“ (Bund Deutscher Forstleute). Der Naturpark möchte sowohl den Urlaubern, als auch den Einheimischen eine aktive und intensive Erholung ermöglichen. Gleichzeitig steht der nachhaltige Schutz der Landschaft und Natur im Mittelpunkt, um das hohe Erholungspotential auch nachfolgenden Generationen zu sichern. Auch die Lebensräume der heimischen Pflanzen (Bärwurz, Arnika, diverse Orchideenarten) und zum Teil seltenen Tiere (Schwarzstorch, Eisvogel, Wasseramsel, verschiedene Fledermausarten) sollen erhalten werden.

Lage des Naturparks Frankenwald
Lage des Naturparks Frankenwald

Daneben ist die Förderung des regionalen Tourismus ein Ziel, das sich unter anderem durch die Steigerung des Bekanntheitsgrads des Naturparks erreichen lässt. In diesem Zusammenhang ist die Aufklärung der Bevölkerung und Besucher über die Bedeutung des Naturparks für Naturschutz und Landschaftspflege eine wichtige Aufgabe.

Weltklimakonferenz der Vereinten Nationen in Bonn

Heute beginnt die 23. Weltklimakonferenz der Vereinten Nationen. Der Gipfel, auf dem Vertreter der Zivilgesellschaft, Diplomaten und Politiker aus aller Welt zusammenkommen, findet in diesem Jahr in Bonn statt und läuft noch bis zum 17. November. Den Vorsitz der Konferenz hat in diesem Jahr der akut vom Klimawandel bedrohte pazifische Inselstaat Fidschi.

Logo der 23. UN-Klimakonferenz vom 6. bis 17. November in Bonn unter Präsidentschaft der Fidschis
Logo der 23. UN-Klimakonferenz vom 6. bis 17. November in Bonn

Im Rahmen der internationalen Anstrengungen gegen den Klimawandel hat sich die internationale Staatengemeinschaft bereits 1992 mit der Gründung der UN-Klimarahmenkonvention  (United Nations Framework Convention on Climate Change UNFCCC) in Rio de Janeiro ein wichtiges Ziel gesetzt: die Konzentration der Treibhausgase in unserer Atmosphäre soll auf einem Level stabilisiert werden, sodass gefährliche anthropogene Störungen im Klimasystem vermieden werden.

Zusammengefasst kann man sagen: die UN-Klimarahmenkonvention ist das internationale, multilaterale Klimaschutzabkommen der Vereinten Nationen, in welchem sich alle Industrieländer zur Reduktion ihres Ausstoßes an Treibhausgasen verpflichtet haben.

Das oberste Entscheidungsgremium der jährlich stattfindenden UN-Klimarahmenkonvention ist die Vertragsstaatenkonferenz (Conference of the Parties, COP), welche auch als Klimagipfel, Weltklimakonferenz oder UN-Klimakonferenz bekannt ist. Ziel der Konferenzen ist die Förderung der wirksamen Durchführung des Übereinkommens und das Vorantreiben des internationalen Klimaschutzes. Für diesen Zweck können die Vertragsstaaten Zusätze (sog. amendments) oder eigenständige Abkommen verabschieden.

Ein wichtiger Meilensteine in der Geschichte der COP war die Verabschiedung des Kyoto Protokolls auf der dritten Vertragsstaatenkonferenz (COP 3 in Kyoto) im Jahr 1997. Hiermit wurden für die Industrieländer erstmals rechtsverbindliche Verpflichtungen zur Reduzierung und Begrenzung der Treibhausgasemissionen festlegt. Das 2005 in Kraft getretene Abkommen ist noch bis 2020 gültig.

Auf der COP21 in Paris im Jahr 2015 wurde das daran anschließende Pariser Abkommen unterzeichnet. In diesem Übereinkommen verpflichten sich alle 195 Mitgliedsstaaten (Industrie-, Schwellen- und Entwicklungsländer), die Erderwärmung im Vergleich zu vorindustriellen Werten auf deutlich unter zwei Grad Celsius zu begrenzen und somit einen längst überfälligen Beitrag zum internationalen Klimaschutz zu leisten. Aktuell wurde das Abkommen lediglich von Syrien und den USA (Austritt 2017) nicht ratifiziert.

Die COP 23 in Bonn ist die größte zwischenstaatliche Konferenz, die es in Deutschland je gegeben hat. Es werden bis zu 25.000 Teilnehmende aus allen Ländern der Welt erwartet, darüber hinaus rund 500 Nichtregierungsorganisationen und mehr als 1000 Journalistinnen und Journalisten.

Aber um was geht es bei der COP 23?

Laut Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (BMUB) werden die Regierungen zum einen die Details zur Anwendung des Pariser Abkommens weiter ausarbeiten. Dies ist notwendig, um das so genannte Regelbuch beim nächsten Klimagipfel Ende 2018 in Polen verabschieden zu können. Zum anderen werden die unterschiedlichen Akteure aus Politik und Zivilgesellschaft ihre verschiedenen Klimaschutzinitiativen und -projekte vorstellen. Sie sollen einen Überblick darüber geben, welche Aktivitäten aktuell zur Anpassung an die Folgen des Klimawandels, zur Treibhausgas-Minderung und zur Umlenkung von Investitionen in kohlenstoffarmes Wirtschaften stattfinden.

Wir dürfen also gespannt sein, zu welchen Ergebnissen die Staatengemeinschaft in den nächsten 2 Wochen kommt!