Was bedeutet Nachhaltigkeit? Der Begriff Nachhaltigkeit beschreibt das Konzept, eine Ressource nur so zu nutzen, dass sie nicht final verbraucht, vernichtet oder dauerhaft unbrauchbar wird.

Waldbewirtschaftung

Nachhaltigkeit bedeutet Regulierung, kein freies Spiel vor allem von Marktkräften. Nachhaltigkeit ist ein Nutzungskonzept, dessen Kern auf Selbstbeschränkung, Verzicht und Selbstdisziplin beruht. Es basiert auf den Leistungen und Nutzungsverzichten früherer Generationen und verbindet die Interessen der heutigen Nutzer mit dem Wohl künftiger Generationen. Nachhaltigkeit beschränkt sich auf eine schonende, ressourcenerhaltende Nutzung, sie verzichtet bewusst auf eine rücksichtslose Ausbeutung einer Ressource. Nachhaltigkeit beinhaltet daher auch Selbstdisziplin bei der Umsetzung des technisch und wirtschaftlichen Machbaren.

Wer hat das Konzept der Nachhaltigkeit erfunden?

Wer zuerst die Idee hatte, wissen wir nicht. Vermutlich hat sie sich über viele Generationen hinweg aus der Beobachtung entwickelt, dass eine Ressource nur so lange genutzt werden kann, bis sie verbraucht, erschöpft oder vernichtet ist. Die Entwicklung der Nachhaltigkeitsidee ist untrennbar damit verbunden, wie der Mensch seine Umwelt und die darin vorkommenden Ressourcen nutzt. Der Impuls, über Nachhaltigkeit nachzudenken, entstand erst, als benötigte Ressourcen infolge von Übernutzung knapp wurden.

Vielerorts im spätmittelalterlichen Deutschland war der Wald eine solche übernutzte Ressource. Denn Holz war schon immer ein überlebenswichtiger Rohstoff. Holz diente nicht nur als Bau- und Werkmaterial, sondern auch ganz wesentlich zur Energiegewinnung. Holz war unverzichtbar für alle Lebensbereiche, im Kleinen wie im Großen, für das häusliche Kochen und Backen ebenso wie für die ersten vorindustriellen Großverbraucher wie Städte, Erzschmelzereien, Glashütten, Salinen, Ziegeleien oder Brauereien. Dafür wurde Holz im großen Stil geschlagen und viele Wälder verwüstet. Die aufgelichteten Wälder wurden außerdem oft auch als Viehweide genutzt. Ziegen, Schafe, Schweine und Rinder lieben die Blätter und zarten Triebe junger Bäume. Wo zu viele Tiere fraßen, hatte der Wald keine Chance nachzuwachsen. Versuche, verwüstete Wälder wieder herzustellen, waren mühsam und nicht immer so erfolgreich wie die 1368 begonnenen Aufforstungsversuche des Handelsherrn Peter Stromer im Nürnberger Reichswald.

Einer der frühesten erhaltenen schriftlichen Nachweise der Nachhaltigkeitsidee findet sich in der kursächsischen Forstordnung von 1560. Sie regelte den Umgang mit dem Wald als Lieferant für den damals wie heute begehrten und knappen Rohstoff Holz. Im Kern gab sie vor, dass nicht mehr Holz genutzt werden dürfe, als auf Dauer nachwächst. Der Begriff „Nachhaltigkeit“ wurde darin aber noch nicht verwendet. Aber auch in anderen Regionen wurden vergleichbare Regelungen entwickelt, um die Wälder vor Übernutzung und Degradierung zu schützen.

Aber erst 1713 prägte der sächsische Bergmann Hans Carl von Carlowitz den Begriff „Nachhaltigkeit“. In seinem Buch „Sylvicultura oeconomica“ oder „haußwirthliche Nachricht und Naturmäßige Anweisung zur Wilden Baum-Zucht“ fasste er das forstliche Wissen seiner Zeit zusammen, erweiterte es durch eigene Erfahrungen und formulierte erstmalig das Konzept einer nachhaltigen Waldbewirtschaftung. Sein Buch wurde 1713 auf der Ostermesse in Leipzig vorgestellt; 2013 feierte es sein 300. Jubiläum.

Seitdem wurde das Konzept der forstlichen Nachhaltigkeit stetig weiterentwickelt. Heute umfasst es auch das Streben nach einer ausgeglichenen, dauerhaften Gewährleistung sämtlicher Leistungen und Funktionen des Waldes.

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